Die Grafik oben zeigt den dramatischen Anstieg der Meerestemperaturen. Für 2026 meldet die WMO
neue Rekordtemperaturen und zum Jahresende ist ein neuer El Nino zu erwarten, also eine extreme Erwärmung des Pazifik mit weltweiten Wetterextremen.
© Spektrum der Wissenschaft. Datenquelle: ECMWF (Ausschnitt)
Das Gedächtnis der Menschheit
Das Gedächtnis der Menschheit für erduldete Leiden ist erstaunlich kurz. Ihre
Vorstellungsgabe für kommende Leiden ist fast noch geringer.
… Die weltweiten Schrecken der vierziger Jahre scheinen vergessen. Der Regen von gestern macht uns nicht nass sagen viele.
Diese Abgestumpftheit ist es, die wir zu bekämpfen haben, ihr äußerster Grad ist der Tod. Allzu viele kommen uns schon heute vor wie Tote, wie Leute, die schon hinter sich haben, was sie vor sich haben, so wenig tun sie dagegen.
Und doch wird nichts mich davon überzeugen, dass es aussichtslos ist, der Vernunft gegen ihre Feinde beizustehen. Lasst uns das tausendmal Gesagte immer wieder sagen, damit es nicht einmal zu wenig gesagt wurde! Lasst uns die Warnungen erneuern, und wenn sie schon wie Asche in unserem Mund sind! Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie armselige Versuche sind, und sie werden kommen ohne jeden Zweifel, wenn denen, die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen werden. Bertolt Brecht, 1952
Bündnis für das Leben: Höchste Zeit für eine sozial-ökologische Sammlungsbewegung
Es geht immer schneller Richtung „Klimahölle“ (Gutteres). 0,3 Grad erwärmte sich Deutschland im Jahr 2024. Das bedeutet möglicherweise in den nächsten 10 Jahren eine weitere Erwärmung von 3 Grad, noch zusätzlich zu den 2,7 Grad mehr, die Deutschland jetzt schon erreicht hat (Daten laut Tagesschau vom 30.12 2024). Dann wird es hier sehr, sehr ungemütlich. Doch wen kümmert es,- offenbar niemand! Keiner will ernsthaft das Klima retten! Ja, sind wir denn im Irrenhaus? Ganz offensichtlich! BÜNDNIS LEBEN
Neu! DER RABE RALF – 25 Beiträge zur Klimakatastrophe
von Jürgen Tallig, frei zugänglich im PDF-Format. Nachdruck ist erlaubt und erwünscht.
Hier der aktuelle Link zur Liste der Artikel in der Berliner Umweltzeitschrift:
https://raberalf.de/archiv/juergen-tallig
Hier geht es zu meinen neueren Artikeln auf der Website der Zeitschrift (leider unvollständig):
https://www.raberalf.de/tags/autor-juergen-tallig
Etliche Kurz- und Langfassungen finden sich auch ganz oben, siehe die dunkelrote Leiste.
Podcast vom 08.03.2024
„Parolen im Tunnel – Der Leipziger Jürgen Tallig bringt den Widerstand auf die Straße”:
https://wir-sind-das-volk.podigee.io/7-widerstand-wiedervereinigung
Mein Artikel "Defizitäre Demokratie: „Wir brauchen Offenheit und Demokratie, wie die Luft zum Atmen!“ zum Podcast, ist seit 18.04.2024 in der Leipziger Internetzeitung online:
https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2024/04/demokratie-offenheit-585547
Krieg und Klimakatastrophe
…Der Klimaschutz darf nicht länger „unter die Räder kommen“, sei es unter die von klimaschädlichen Autos oder auch unter die von Schützenpanzern oder gar unter Panzerketten. Krieg und Aufrüstung
lösen keine Probleme, sondern vertagen sie nur oder machen sie noch unlösbarer, zu Lasten der Menschen, der Umwelt und des Klimas.
Der Krieg darf nicht benutzt werden, um den Klimaschutz weiter auszuhebeln und eine (Subventions-)Politik zugunsten fossil-mobiler Großkonzerne und eine forcierte Aufrüstung Deutschlands und
Europas durchzudrücken.
Wir stehen vor der Wahl, die Arbeit an einer europäischen Friedensordnung wieder aufzunehmen oder die Eskalation des Krieges zu einem 3. Weltkrieg in Kauf zu nehmen, der sehr wahrscheinlich als
Atomkrieg enden würde. Manche Zyniker sagen, ein nuklearer Winter wäre vielleicht die einzige Möglichkeit, die Klimakatastrophe noch zu stoppen.
Grundsätzlich haben wir keine Zeit mehr für geopolitische Machtspiele und ein Agieren in den Kategorien von gestern, die da sind: Macht, Wachstum, Expansion, Erfolg, Aufrüstung, Krieg. Das ist
altes Denken und Handeln, aus einer Welt, die sich gerade vor unseren Augen auflöst und die es bald nicht mehr geben wird, wenn wir nicht schnell unseren Kriegskurs untereinander und mit der
Natur beenden und in der neuen Realität der Klimakrise ankommen, in der es längst ums Überleben geht.
Die Klimakatastrophe beginnt gerade erst und sie wird eine lebensbedrohliche Dynamik entfalten, die das Überleben der Menschheit, ja den Fortbestand des Lebens auf der Erde gefährdet.
Das müssen wir endlich zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln. Es gibt bald kein Zurück mehr.
Wir werden die Umwelt- und Klimakrise und alle anderen Krisen nur bewältigen, wenn wir zu einer vernunftgeleiteten Politik der internationalen Kooperation zurückkehren.
Jürgen Tallig 25.01.2023
https://www.l-iz.de/politik/engagement/2023/01/ein-offener-brief-wie-klima-friedenspolitik-zusammenhang-509872
https://braunschweig-spiegel.de/krieg-und-klimakatastrophe/
Der
Schutz des Klimas und die Stabilisierung des Erdsystems, als elementare Voraussetzung auch menschlichen Lebens auf der Erde, muss heute zum primären und übergeordneten Ziel gesellschaftlichen
Handelns werden. „Earth first“ könnte man sagen.
Wenn das System Erde erst einmal gekippt ist und die Welt zudem in Chaos und Barbarei versinkt, dann gibt es kein Zurück mehr. Es ist ein Ausdruck von Verblendung
und Selbstüberschätzung (Hybris) zu meinen, wir könnten nachträglich (2045) einen planetaren Systemübergang rückgängig machen.
Jürgen Tallig
siehe auch "Klima auf der
Kippe" November 2018
[email protected]
https://de.wikipedia.org/wiki/Sechster_Sachstandsbericht_des_IPCC
Jürgen Tallig, Ingenieur und Buchhändler,
DDR- Bürgerrechtler, studierte nach der Wende Sozialökologie und Politik in Berlin; er veröffentlichte in den letzten Jahren zahlreiche Artikel zu Klimawandel und Klimapolitik, schreibt aber auch Gedichte, Theaterstücke und Romane.
Angesichts der Klimakatastrophe plädiert er für eine erneute, diesmal ökologische Wende, für Neues Denken und Handeln und eine parteienübergreifende Koalition der Vernunft. Es braucht eine "Alternative für das Leben" ,damit der Planet bewohnbar bleibt.
Jürgen Tallig Foto: privat
Kurzbiografie
Jürgen Tallig war Ingenieur und Buchhandler in Leipzig. Er begründete 1988 die Gruppe „Neues Denken“, die öffentliche Veranstaltungen zur Reform des Sozialismus durchführte und u.a. die Wahlen kontrollierte. 1989 war er einer der Mitbegründer des „Neuen Forum“ in Leipzig, dessen erstes Büro in seinem Haus in der Dreilindenstraße er leitete und mehrfach Redner auf den montäglichen Großkundgebungen. Er war Betriebsgruppenkoordinator und Mitglied der Programmkommission des Neuen Forums, sowie Autor und Herausgeber einer Zeitungsseite der Opposition. Er leitete die ostdeutsche „Demokratie-Initiative 90“, die Bürgerbegehren und Volksentscheide rechtlich verankern wollte und auch dem Verfassungsentwurf des Runden Tisches zuarbeitete. Nach der Wende nochmaliges Studium der Sozialökologie und Politikwissenschaften in Berlin u. a. bei Rudolf Bahro und Elmar Altvater (Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung).
Jürgen Tallig lebt seitdem in Berlin und war als Sozialarbeiter und im Bereich Umweltbildung tätig. Intensive Weiterbeschäftigung mit Umweltthemen, speziell mit
Klimawandel und Klimapolitik, zahlreiche Veröffentlichungen in Umweltzeitschriften (u.a. in „Umwelt aktuell“). 2006 erhielt er den Umweltpreis Pankow. 2013 Auftritt im MDR- Fernsehen zum
Thema Unwetter und Hochwasser.
In den
letzten Jahren veröffentlichte er zahlreiche Artikel, u.a. "EARTH FIRST: Der Preis des Lebens" in den Blättern für deutsche und internationale Politik 10`18, der 2019 auch im Reader zur
Klimakrise "Unsere letzte Chance" veröffentlicht wurde. In den "Blättern " (11`21) erschien auch der vielbeachtete Kommentar "Vor der Klimakatastrophe oder:
Last Exit Glasgow". In der Zeitschrift
"Lunapark 21" Heft 61, der Artikel "Alarmstufe Rot"
"Die roten Linien für einige Kippelemente im Klima- und Erdsystem, könnten genau im Pariser Korridor,
zwischen 1.5 und 1.8 Grad liegen. "
„Was wir nicht wissen, ist, ob das Klimasystem bei etwa 2°C über dem vorindustriellen Niveau ‚geparkt‘ werden kann, wie es das Pariser Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima."
Hans Joachim Schellnhuber, Gründungsdirektor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, 2018
"Klima- Endspiel"
Eine neue Studie von 2022, kommt zu der Erkenntnis, dass die Gefahr der Kipppunkte bisher unterschätzt wird und eine Erderhitzung von
3 Grad das Überleben der Menschheit gefährdet. Siehe:
www.spektrum.de/news/klimakrise-was-passiert-bei-drei-grad-erderwaermung
Unsere letzte Chance! – Der Reader zur Klimakrise, Die Beiträge in Kürze:
Jürgen Tallig: Earth first: Der Preis des Lebens, S. 325-334
Die Erde geht in einen lebensfeindlichen Systemzustand über. Dennoch
sind wir noch immer nicht bereit, unsere Wirtschafts- und Lebensweise
radikal zu ändern. Den Grund dafür sieht der Politikwissenschaftler Jürgen
Tallig in dem viel zu niedrigen Preis für Energie und Rohstoffe. Gerade
aber weil die Leistungen der Natur schier unersetzlich sind, muss deren
Preis um ein Vielfaches ansteigen. Andernfalls zahlen wir buchstäblich
mit unserem Leben.
Der Planet könnte durch verschiedene Rückkopplungsprozesse im Klima- und Erdsystem in den anderen Systemzustand einer Heißzeit und in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima abrutschen. In dieser „Hothouse Earth“ gäbe es 4-5 Grad höhere Temperaturen und einen verstärkten Meeresspiegelanstieg von bis zu 60 Metern. Grund dafür sind Kippelemente im Klimasystem, die eine noch stärkere Erwärmung, auch ohne weiteres menschliches Zutun, bewirken könnten.
Darauf weist ein internationales Team von Wissenschaftlern vom Stockholm Resilience Center, der Universität Kopenhagen, der Australian National University und vom Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in einer neuen Studie hin, die unter dem Titel “Trajectories of the Earth System on the Anthropocene” im amerikanischen Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) erschien ist.
Die weltweit für Aufsehen sorgende Studie untersucht, wie Veränderungen im Erdsystem die Erderwärmung beeinflussen.
„Industrielle Treibhausgasemissionen sind nicht der einzige Faktor, der die Temperatur auf der Erde beeinflusst. Unsere Arbeit weist darauf hin, dass eine vom Menschen verursachte globale Erwärmung von 2 Grad andere Prozesse des Erdsystems anstoßen könnte (oft als Rückkopplungen bezeichnet). Diese wiederum könnten die Erwärmung weiter vorantreiben, – selbst wenn wir aufhörten, Treibhausgase auszustoßen“, sagt Leitautor Will Steffen von der Australian National University (ANU) und dem Stockholm Resilience Centre (SRC).
Der Übergang zu einer emissionsfreien Weltwirtschaft müsse deshalb deutlich beschleunigt werden, argumentieren die Autoren.
Das heißt: Selbst bei Umsetzung der im Pariser Abkommen festgelegten Pläne zur Minderung von Treibhausgasemissionen, -was ja immer unwahrscheinlicher wird-, bleibt ein beträchtliches Risiko, dass der Planet in einen anderen Zustand kippt.
«Werden empfindliche Elemente des Erdsystems gekippt, könnte sich die Erwärmung durch Rückkoppelungseffekte selbst weiter verstärken“, so Mitautor und PIK-Gründungsdirektor Hans Joachim Schellnhuber. Die roten Linien für einige der Kippelemente liegen wohl genau im Pariser Korridor zwischen 1,5 und 2 Grad Erwärmung. „ Man könne sich nicht darauf verlassen, dass das Erdsystem bei 2 Grad langfristig sicher «geparkt» werden könne“, so Schellnhuber weiter.
Rückkopplungen und Kippelemente
Die Wissenschaftler verweisen in ihrer Studie auf zehn Aspekte des "Erdsystems", die von bislang "neutral" oder "hilfreich" zu "schädlich" kippen könnten. Dabei würden dann mehr CO2 und Methan in die Atmosphäre abgegeben, als durch jegliche menschliche Aktivität zusammengenommen.
Zu diesen Prozessen gehören der Studie zufolge unter anderem das Auftauen der seit Urzeiten gefrorenen Permafrostböden, das teilweise Absterben des riesigen Amazonas-Regenwalds und von Wäldern auf der Nordhalbkugel sowie das Schmelzen von Meereis und Eisschilden an den Polen. Auch die Destabilisierung sogenannter Methanhydrate in der Tiefsee oder die Vermehrung von treibhausgasproduzierenden Bakterien in den Ozeanen gehören zu diesen großen Risikofaktoren. Durch das Überschreiten kritischer Schwellen könnten Kippelemente in fundamental andersartige Zustände versetzt werden. Die Rückkopplungen könnten z.B. Kohlenstoffspeicher in Kohlenstoffquellen verwandeln, die in einer entsprechend wärmeren Welt unkontrolliert Emissionen freisetzen würden. Zu den kritischen Prozessen gehört insbesondere diese Schwächung der Kohlenstoffsenken an Land und in den Ozeanen, durch das teilweise Absterben des Amazonas-Regenwaldes (wurde im letzten Jahrzehnt von mehreren schweren Dürren heimgesucht) und der borealen Wälder und z.B. durch das schwindende Phytoplankton.
Hinzu kommt eine veränderte Wärmerückstrahlung (Albedo) durch die Verringerung der Schneedecke auf der Nordhalbkugel, den Verlust von arktischem und antarktischem Meereis sowie das Schrumpfen der großen Eisschilde.
Der Beitrag der Antarktis zum Anstieg des Meeresspiegels erweist sich überdies bereits als viel höher, als bisher angenommen. Neuere Messungen und Simulationen zeigen besorgniserregende Ergebnisse. Die dortigen Eismassen reichen aus, um die Ozeane um unvorstellbare 60 Meter ansteigen zu lassen.
Im Erdsystem gebe es eine Reihe von "Dominosteinen", betonte Johan Rockström vom ebenfalls an der Studie beteiligten Stockholm Resilience Center. Falle einer dieser Steine um, könne er das gesamte Erdsystem weiter auf den nächsten Kipppunkt zutreiben. Für die Menschheit würde es dann "sehr schwierig oder sogar unmöglich" werden, die komplette Reihe von "Dominosteinen" vor dem Umfallen zu bewahren. Nach PIK-Angaben könnte das bedeuten, dass sich der Klimawandel dann selbst verstärkt - "auf lange Sicht, über Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende".
Angesichts dieser Unsicherheiten fordern die Studienautoren, treibhausgasproduzierende Prozesse schneller zu beenden, etwa in der Industrie und in der Landwirtschaft.
Die Reduktion von Treibhausgasen allein reicht nicht aus
„Die Treibhausgasemissionen aus
Industrie und Landwirtschaft bringen unser Klima und letztlich das ganze Erdsystem aus dem Gleichgewicht, das zeigen wir auf.“ Die von den Treibhausgasen verursachte Erwärmung verändert und
destabilisiert unsere natürliche Umwelt.
„…Kippelemente können sich, – sobald ein bestimmtes Belastungsniveau einmal überschritten ist – grundlegend, schnell und möglicherweise irreversibel verändern. Gewisse Kaskaden solcher Ereignisse könnten das gesamte Erdsystem in eine neue Betriebsweise kippen“, sagt Hans Joachim Schellnhuber, amtierender Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. „Was wir derzeit noch nicht wissen, ist, ob das Klimasystem sicher bei etwa 2°C über dem vorindustriellen Niveau ‚geparkt‘ werden kann, wie es das Pariser Abkommen vorsieht. Oder ob es, einmal so weit angestoßen, weiter abrutschen würde in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima. Die Schwelle hin zu einem deutlich anderen Zustand der Erde könne bei 2 Grad liegen, es sei aber unsicher, wo eine solche Schwelle tatsächlich liege. In diesem Jahr schien es allerdings, als sei die Schwelle bereits überschritten.
Um die Chancen zur Vermeidung einer „Heißzeit“ zu verbessern, braucht es nicht nur eine entschlossene Minderung von Kohlendioxid- und anderen Treibhausgasemissionen. Auch erweiterte biologische Kohlenstoffspeicher, etwa durch ein verbessertes Wald-, Landwirtschafts- und Bodenmanagement, oder die Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie Technologien, um der Atmosphäre Kohlendioxid zu entziehen und unterirdisch zu speichern, können eine wichtige Rolle spielen, so die Autoren. Entscheidend sei, dass diese Maßnahmen durch grundlegende gesellschaftliche Veränderungen gestützt werden.
Zusammengestellt von Jürgen Tallig August 2018 [email protected]
Abenteuer Klima in der ARD Mediathek, 6 Folgen, Nachwievor das Beste
zum Thema Kipppunkte!
Unbedingt anschauen und weiter empfehlen!
01 Grönland30
min.
02 Amazonien30
min.
03 Alaska30 min.
04 Ozeanien30 min.
05 Afrika30 min.
06 Indien und Himalaya30 min.
Die Menschen liegen schlaflos
mit verstopften Ohren
in verschwitzten Betten,
es klopft an den versperrten Toren
Hunde rütteln an den Ketten.
„Der Sturm ist da“ in dunkler Nacht
kommen Schiffe mit Menschenfracht
hungrige Menschen fluten den Strand
und auch „die wilden Meere hupfen“,
über Mauern und Dämme an Land.
Die Konjunktur hat einen Schnupfen,
„In allen Lüften hallt es wie Geschrei“
Kurse und Flieger stürzen ab
und die Menschen gehn entzwei,
die Autos fallen von den Brücken
keine Landung will mehr glücken.
Man fällt aus allen Wolken
nach all dem Höhenflug
und an den Küsten steigt die Flut.
Die Welt läuft heiß,
gerät in Brand und Wut,
sie dreht sich immer schneller
doch nichts wird davon gut.
Sie flammt auf in Dürre und Krieg,
doch Räder müssen rollen für den Sieg
im nächsten Weltenbrand,
die Menschen verlieren den Kopf
und die Welt wieder mal den Verstand.
Keiner weiß mehr wohin, man will raus oder rein,
Die Welt wird immer voller und die Erde zu klein
Es gibt von allem zu wenig und es gibt von allem zu viel,
alle rennen, aber keiner kennt das Ziel…
doch das ist nicht mehr weit,
wir fahren und fliegen immer schneller
-bis ans Ende der Zeit.
Die Zukunft ist verpfändet
und die Vergangenheit wird verbrannt
täglich tausend fossile Jahre
das Leben ist vakant.
Wir setzen die Welt in Flammen,
ein gewaltiger Kurzschluss gleißenden Lichts
bringt Gestern und Morgen zusammen
wir öffnen die Türen ins Nichts.
Wir machen die Zukunft unmöglich
soviel Ende war nie
Was Energie war, wird Asche und Wärme,
also reine Entropie.
Die Gegenwart ist ein Schwarzes Loch
verschlingt den Raum, die Zeit und das Licht
wie kann man ihr entkommen
wie kriegt man sie wieder dicht?
Dunkelheit ist der Preis des Lichts
wir leuchten nicht, wir verbrennen
Wir sind die Krieger des Nichts!
Das Lebendige stirbt und das Tote erwacht,
die Feuer sind überall entfacht,
-nicht nur die Lichter der Großstadt brennen
sondern Wälder und Moore und in Sümpfen Methan,
es verbrennt die Zukunft, nicht nur Kohle und Gas
es schmilzt das Eis nicht nur im Glas.
Jetzt geht es ans Leben, obwohl mans kaum spürt,
es wird geschüttelt und auch gerührt,
Insekten und Vögel fallen tot hernieder
vergessene Plagen kehren wieder.
Das Leben geht ohne Klagen
die eh keiner hört und keiner versteht…
-die Antwort auf die nie gestellten Fragen
wird vom heißen Wind verweht.
Verspielt ist des Lebens Kredit
die Welt geht kaputt und wir gehen mit
das Nichts hat gewonnen gegen das Sein
der Planet zeigt sein wahres Gesicht,
-unter der Erde ist Stein.
Mutter Erde ist zuschanden,
die Welt läuft nicht mehr rund,
verloren der Boden unter den Füßen
verloren der Dinge Grund.
Hänge rutschen von den Bergen, die sich neigen
wie große Zeiger, die die letzte Stunde zeigen,
die letzten Gletscher stürzen in die Seen
derweil die Wüsten wachsen und die Meere steigen
-alles muss zu Grunde gehn.
Entwurzelt sind Bäume, Menschen, Getier
die haltlose Welt ist schon bald nicht mehr hier
Verloren ist das Land, der Ort der Utopie
denn ohne wo gibt es kein wie
Braune Fluten reißen alles mit sich fort
nirgends bleibt ein Ort,
Schatten wachsen um ein letztes Licht
„Kein Ort Nirgends“
kein Ort bleibt, nirgends, nicht.
Schweigen breitet seinen Mantel aus
Gott gähnt und denkt: „Welch Graus,
das Land liegt wie im Anfang, wüst und weit,
-bis zur nächsten Schöpfung lasse ich mir sehr viel Zeit.“
Gott wendet sich ab
wischt von der Stirn den Schweiß:
„…jetzt ist es auch wieder ewig so heiß.“
Das Leben rollt sich ein zum absurden Finale
die Zeit schnurrt zurück auf der Abwärtsspirale
Der Mensch verliert seinen Thron
und reklamiert die Evolution,
er gibt nicht nur die Krone,
sondern gleich die ganze Schöpfung zurück,
das nennt sich Involution,
-den Bakterien dann noch viel Glück!
Die Uhren rasen rückwärts
als wenn die Welt zur Hölle fahre
bis still sie stehn und wieder Stille herrscht und Ruh,
für die nächsten100 Millionen Jahre,
macht Gott die Augen zu.
Jürgen Tallig 2018
Verbrannte Erde
Ein Brand durchdringt die ganze Welt
Und sorgt für großes Sterben
Wir nehmens vom Lebendigen
Und lassen Neues nicht werden.
Wir verbrennen in wenigen Jahren
Was aufwuchs in Jahrmillionen
Die Welt wird heiß und wüst und leer
Kann keiner mehr drin wohnen.
Refrain:
Die Welt ist nicht genug
Und muss zuschanden werden
Es ist für unsre heiße Gier
Zu wenig Platz auf Erden.
Durchschnitten ist nun längst das Band
Zwischen Mensch und Leben
Der Tod wickelt wieder auf
Was die Natur gegeben.
Der Tod, das ist ein weißer Mann
Der hat sich gründlich umgetan
Und alles umgegraben, nach Gold und Brot.
Was einst ein Garten war, ein Paradies
Ist Hölle bald und ist bald tot.
Refrain: …
Die Wälder in Flammen
Die Quellen versiegt
Das Eis ins Meer zerronnen.
Mutter Erde ist besiegt,
Wir haben also gewonnen?
Wir haben alles, für immer verloren
hinterlassen verbrannte Erde auf Erden.
Unsre Herzen die sind wüst und leer,
Müssen weiter Leben verzehren.
Refrain: …
Doch alles Leben ist ja nur, „ noch“
Auf der siechen Erde.
Und wir wissens nicht mal,
unsre Welt sagt jetzt: Stirb!
Und niemals wieder: Werde!
Was ist,
das wird gewesen sein.
Ist ein Schnitter, der heißt Tod
Nun der Herr auf Erden.
Da wir nicht leben
Muss alles sterben.
Refrain: …
Die Erde verbrannt, die Seele in Not
Die Himmel, sie leuchten so blutig rot
Kann nie mehrFrieden werden?
Jürgen Tallig VII-2017
Die Erde ist dabei, in einen anderen Systemzustand überzugehen und die Schwelle zur Heisszeit zu überschreiten.
Diesen Artikel schrieb ich bereits im Januar 2018, also lange bevor das Thema „Heisszeit“ nach dem „Jahrhundertsommer“ und den neuen Klimastudien in aller Munde war. Was Anfang des Jahres noch eine Vermutung war, ist angesichts der diesjährigen globalen Hitzewelle schon fast Gewissheit. Die Realität ist dabei uns einzuholen und zu überholen.
Die Zukunft des Planeten, die wir noch ein wenig aufschieben wollten, hat längst begonnen und klopfte in Form einer Hitzewelle und Dürre an unsere Tore und kündigt das Kommen einer lebensfeindlichen Heißzeit an.
Meine im Januar 2018 verfasste Zukunftsvision wurde in vielen Punkten schon im selben Jahr Realität. Die Zukunft dieses naturgemäß fiktiven Berichts aus dem Jahr 2035 könnte uns insgesamt viel schneller ereilen, als wir uns bisher vorstellen konnten. Der Bericht beruht auf den heute schon bekannten Tatsachen und verdeutlicht die zwangsläufigen Konsequenzen eines „Weiter so“.
Es ist höchste Zeit, zu begreifen, wie sehr wir und die Zukunft des Planeten von einer funktionierenden Biosphäre abhängen und dass es eine davon unabhängige Existenz nur in schlechten SciFi- Filmen geben kann.
Ein Bericht aus der Zukunft des Jahres 2035
„Es ging dann alles sehr schnell.
Im Jahr 2028 war die Arktis das erste Mal im Sommer völlig eisfrei. Die Temperaturen in den nördlichen Polarregionen erhöhten sich, nach den schon dramatischen Anstiegen der letzten Jahre noch einmal schlagartig und es kam zu einer beispiellosen Waldbrandsaison in den Nordischen Wäldern. Das Auftauen des Permafrost trat in ein neues Stadium und die Freisetzung von Methan und Kohlendioxid nahm dramatisch zu.
Ein Jahr später vertrocknete der verbliebene Amazonasregenwald und ging zu großen Teilen in Flammen auf, nachdem er schon all die Jahre davor, schwer von Dürren betroffen war.
Damit war der Kohlenstoffkreislauf völlig aus dem Gleichgewicht gebracht und die jährliche Zunahme der CO2- Konzentration in der Atmosphäre verdoppelte sich, was die globale Durchschnittstemperatur immer schneller ansteigen ließ.
An eine Kompensation des weitgehenden Verlustes der natürlichen CO2- Senken durch menschliche Ausgleichsmaßnahmen, wie großflächige Neupflanzungen, war angesichts der weltweiten Zunahme von Katastrophen immer größeren Ausmaßes, nicht zu denken. Die Atmosphärische Zirkulation veränderte sich vollständig und chaotisch, und warme Luft konnte nach dem Zusammenbruch des Polarwirbels ungehindert nach Norden fließen, doch auch im Süden wurde das „ewige Eis“ der Antarktis durch das Vordringen warmer Luft und warmen Wassers massiv destabilisiert.
Das Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes und der Antarktis und damit der Meeresspiegelanstieg beschleunigten sich dramatisch. Das Meer stieg nun viel schneller und würde schon zur Jahrhundertmitte einen Meter höher sein als bisher. Viele Küstenregionen wurden viel eher unbewohnbar, als gedacht. Zudem kam es in Asien und Afrika zu schwersten Dürren und Überschwemmungen. Dutzende Millionen Menschen machten sich auf den Weg nach Norden.
Doch auch Europa und Nordamerika wurden 2033 von einer beispiellosen Dürre heimgesucht, es gab Missernten und Lebensmittelrationierung, Waldbrände wüteten aller Orten und die Flüsse begannen auszutrocknen, so dass Kraftwerke abgeschaltet werden mussten. Ein Jahr zuvor, hatten noch wahre Jahrtausendfluten weite Landstriche unter Wasser gesetzt und schwerste Verwüstungen angerichtet. Die heftigen Herbst- und Winterstürme hatten überdies gewaltige Zerstörungen in den Wäldern angerichtet.
Jetzt ging es um Überlebenssicherung, Reparaturen, Wiederaufbau, -darum, das tote Holz aus den Wäldern zu schaffen, die Energieversorgung sicherzustellen und umzubauen…
Wie sollte man da zig Milliarden Bäume pflanzen, um den Amazonas- Regenwald zu ersetzen. Wenn wir es in all den vergangenen Jahrzehnten nicht geschafft hatten, das Richtige und Notwendige zu tun, wie sollten wir es jetzt können? Jetzt musste sich jeder selbst helfen. Wir hatten uns die Erde endgültig zum Feind gemacht, - ihr zu helfen, das überstieg nun unsere Kräfte.“
So oder so ähnlich wird es früher oder später ablaufen und vieles davon ist heute schon Realität. All diese Veränderungen führen längst zu einer beständig zunehmenden Destabilisierung des Systems Erde und zur Zerstörung seiner Selbsterhaltungsfähigkeit. Die Erde ist dabei, ihre Fähigkeiten zur Regulierung der Treibhausgase in der Atmosphäre und zur Temperaturregulierung des Planeten weitgehend einzubüßen, wodurch sich die Aufheizung ungehindert immer weiter beschleunigen wird.
Dieser Übergang der Erde in den lebensfeindlichen Systemzustand einer Heißzeit scheint bereits in vollem Gange. Das System Erde ist möglicherweise bereits gekippt.
Um dies doch noch zu verhindern, müsste die Menschheit sofort entschlossen gegensteuern.
Doch nachwievor steht Problemvertagung statt Problemlösung auf der Tagesordnung.
Heißzeit ante Portas
Die Erde befindet sich auf dem Weg in eine beispiellose Klimakatastrophe, mit Folgen, deren Ausmaß wir bisher nur ansatzweise überblicken und die weder beherrschbar, noch rückgängig zu machen sein werden.
Wenn die Erde die Schwelle zur Heißzeit einmal überschritten hat, dann ist ein sich selbst verstärkender Aufheizungsprozess im Gange, der mehrere tausend Jahre andauern würde.
Die Erderwärmung hat sich in den letzten drei Jahren enorm beschleunigt und die Erde ist offenbar schon dabei in einen neuen, lebensfeindlichen Systemzustand überzugehen.
Neben den ungebremsten menschlichen Treibhausgasemissionen aus den verschiedensten Quellen, beschleunigen die dramatischen Veränderungen des Planeten die Erderwärmung.
Die Pufferkapazitäten der Erde sind, sowohl bei der Wärmeaufnahme als auch bei der CO2- Aufnahmefähigkeit offensichtlich überfordert. Die natürlichen Verstärkungen der Erderwärmung, wie die verringerte CO2- Aufnahme (Senken), die veränderte atmosphärische Zirkulation und die abnehmende Albedo (Wärmerückstrahlung), nehmen dagegen immer weiter zu.
All die starken Worte von Geoengeneering, Klimabeeinflussung und Terraforming suggerieren, es gäbe notfalls einen technisch machbaren Weg zur Begrenzung der Erderwärmung, ohne Emissionsreduzierungen und ohne limitierenden Zeitfaktor, man könne also das Problem auch später irgendwie in den Griff bekommen. Das beruhigt vor allem die besorgte Öffentlichkeit. Doch es ist ein Ausdruck von Verblendung und Selbstüberschätzung (Hybris) zu meinen, die Menschheit könne nachträglich einen planetaren Systemübergang rückgängig machen und bräuchte ihn deshalb nicht verhindern. Hierin offenbart sich eine fatale Fehleinschätzung der Realität.
Es gibt einen lebensfreundlichen Bereich von Umweltbedingungen, an den die Biosphäre und der Mensch sich über lange Zeiträume hinweg evolutionär angepasst haben und es gibt lebensfeindliche Umweltbedingungen. Eine nach erdgeschichtlichen Maßstäben, blitzartige Erwärmung der Erde um 5 oder gar 8 Grad, bedeutet den wahrscheinlich irreversiblen und viel zu schnellen Übergang in eine völlig andere Welt und überfordert damit jede Anpassungsfähigkeit, was das fast vollständige Aussterben des Lebens und der Menschheit zur Folge haben könnte. Es ist an uns, diese Eskalation zu vermeiden und im gegebenen natürlichen Rahmen zu verbleiben und die weitere Zerstörung der Lebensgrundlagen zu beenden.
Das eigentlich Nötige, um wenigstens das unter 2 Grad- Ziel des Pariser Klimavertrages zu erreichen, ist aber nachwievor für die meisten Politiker und Unternehmer nicht nur nicht erstrebenswert, sondern schlicht nicht vorstellbar. Man will noch ein wenig weitermachen wie bisher und die Zukunftsentscheidungen weiter vertagen. Doch eine symbolische Klimapolitik des Aufschubs und der Vertagung, des so tun „als ob“, wie in den vergangenen 25 Jahren, in denen sich die Emissionen verdoppelt haben, ist auch mit dem Etikett freiwilliger Selbstverpflichtungen, nicht mehr verantwortbar.
Wenn wir noch etwas retten wollen, dann müssen wir es jetzt tun.
Hierzu sind eine schnelle „Große Transformation“ der Gesellschaften und ein großangelegtes Programm zur Stabilisierung des Klima- und Erdsystems notwendig. Die Kohlendioxid-Emissionen müssen binnen 10 Jahren weit mehr als halbiert werden und schnellstmöglich gegen Null gehen und zusätzlich muss der Atmosphäre sofort Kohlendioxid in ungeheuren Mengen entzogen werden,- noch vor dem Kollaps der Biosphäre. Wir müssen also nicht nur die CO2- Quellen verstopfen, sondern sofort die CO2- Senken sichern und erheblich erweitern, was u.a. bedeuten würde, die Photosynthese betreibende Pflanzenmasse schnellstmöglich zu verdoppeln, statt ihre nochmalige Halbierung abzuwarten. Der Mensch hat in den letzten 10000 Jahren, seit seinem „Erscheinen im Holozän“, bereits mehr als die Hälfte des Waldes auf der Erde verbraucht und vernichtet. Es ist allerhöchste Zeit, diesen Trend umzukehren und der Erde endlich wieder zurückzugeben, was wir ihr genommen haben. Diese ökologische Wende muss allerdings jetzt erfolgen, denn im Jahr 2035 dürfte es bereits unmöglich sein, das Geschehen noch entscheidend zu beeinflussen.
Jürgen Tallig 2018 [email protected]
https://earthattack-talligsklimablog.jimdofree.com/
Literatur:
Lee R.Kump, Was lehrt uns die letzte Erderwärmung, Spektrum Spezial 4/2012
WBGU, Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken, 2014
WBGU, Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation, Sondergutachten 2016
Maria A. Martin, Das riskante Spiel mit dem Gleichgewicht, Kippelemente im Klimasystem, 2014
S. Rahmstorf, Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?, KlimaLounge,11.04.2017
Rockström J., „The 10 Science must knows on Climate Change“, 2017
Tallig J., „Rasante Zerstörung des Blauen Planeten“ Umwelt aktuell 12.2016/01.2017
„Die tödliche Falle“ in Umwelt Aktuell 11/2017
H.J. Schellnhuber, Selbstverbrennung, 2015
David Wallace-Wells, „Der Planet schlägt zurück“ ( „Freitag“,20.07.2017)
