Ungerechtigkeit im Treibhaus

 Unsere „Imperiale" Wirtschafts- und Lebensweise enteignet die Armen und Schwachen dieser Welt und alle kommenden Generationen. Sie überlastet und destabilisiert das Klima- und Erdsystem und gefährdet damit  das Überleben der Menschheit.

 

Unsere derzeitige Wirtschafts- und Lebensweise bedroht das Leben der Armen und Schwachen dieser Welt und das der vielen Milliarden Menschen, die noch nach uns auf der Erde leben wollen.

 

Sie ist parasitär und lebensfeindlich und überlastet die Biosphäre und das Erdsystem um ein Vielfaches.

 

Unsere Lebensweise ist eine „Imperiale Lebensweise" (U.Brand/ M.Wissen, Imperiale Lebensweise, 2017), die auf der Ausplünderung und Ausbeutung des Planeten beruht und die Folgen, in Form von Abfällen und Treibhausgasen exportiert bzw. externalisiert,- ohne Rücksicht auf Verluste. Die treten ja bisher vor allem im Süden und in der Zukunft auf und werden deshalb nicht wirklich wahrgenommen.

 

Es gilt zur Kenntnis zu nehmen, dass die Belastung des Planeten durch den Menschen etwa 10-mal zu hoch ist und dass insbesondere die westlichen Industrieländer einen stofflichen und energetischen Verbrauch haben, der durch die damit einhergehenden Treibhausgasemissionen die Fortexistenz des Lebens und der Menschheit bedroht. Die Erde ist heute schon dabei, in einen lebensfeindlichen Systemzustand überzugehen und die Schwelle zur Heißzeit unwiderruflich zu überschreiten.

Eine neue Klimastudie (W. Steffen, J.Rockström et al, Trajectories of the Earth System on the Anthropocene, 2018), unter Beteiligung von renommierten Wissenschaftlern, lässt Schlimmes befürchten. 

Der Planet könnte durch verschiedene Rückkopplungsprozesse im Klima- und Erdsystem in den Systemzustand einer Heißzeit kippen und in ein dauerhaftes Supertreibhaus-Klima abrutschen. Auf dieser „Hothouse Earth" gäbe es 4-5 Grad höhere Temperaturen und einen verstärkten Meeresspiegelanstieg von bis zu 60 Metern. Grund dafür sind Kippelemente im Klimasystem, die eine noch stärkere Erwärmung, auch ohne weiteres menschliches Zutun, bewirken könnten.

Unsere derzeitige verschwenderische Wirtschafts- und Lebensweise ist nicht nur ungerecht sondern angesichts der drohenden Gefahren völlig absurd, unsittlich, ja verbrecherisch.

Wir eignen uns das Vielfache von dem an, was uns eigentlich zustehen würde und vernichten überdies irreversibel die Lebensgrundlagen für alle kommenden Generationen, was langfristig Milliarden Menschen das Leben kosten wird und zur weitgehenden Auslöschung des Lebens auf der Erde führen dürfte.

Wir verprassen also nicht nur gerade in einer beispiellosen Verschwendungsorgie, was tausende von Jahren reichen sollte, für alle noch kommenden Generationen; -nein, damit nicht genug, wir zerstören durch unser weiter ungebremstes Fehlverhalten irreversibel die Reproduktionsfähigkeit der natürlichen Lebensgrundlagen, also z, B. die Fähigkeit der Biosphäre, die Temperatur zu regulieren, Sauerstoff zu produzieren und ausreichende Biomasse zu erzeugen.

Der Frage der Gerechtigkeit kommt in der derzeitigen finalen Menschheitskrise eine zentrale Bedeutung zu, sie ist gleichsam der Schlüssel für das Überleben der Menschheit.

Gerechtigkeit bedeutet gleiche Menschenrechte für alle, -das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit gilt auch für die Armen und Schwachen dieser Welt und für alle kommenden Generationen. Sie haben dasselbe Recht zu leben und die Güter und Leistungen der Erde in Anspruch zu nehmen, wie wir.

 

Eine so verstandene Gerechtigkeit würde bedeuten, dass wir nicht das Recht haben, die Rechte der anderen zu beeinträchtigen und der uns eigentlich zustehende gerechte Anteil nur ein Bruchteil dessen wäre, was wir uns bisher aneignen und bisher angeeignet haben. Unser Energie- und Stoffumsatz müsste sich deshalb schnellstmöglich um etwa den Faktor 10 reduzieren. Nicht nur um Gerechtigkeit herzustellen, sondern um das überlastete Klima- und Erdsystem überhaupt noch stabilisieren zu können.

 

Gerechtigkeit auf Erden würde so betrachtet gleichzeitig die Zukunft sichern und die ökologische Frage lösen.

 

Hätten die Armen und Schwachen dieser Welt und all die kommenden Generationen Macht und Stimme bei der Entscheidung über die Zukunft des Planeten , dann wären die Verantwortlichen für den zerstörerischen Kurs der letzten Jahrzehnte längst abgelöst und müssten sich vor einem Klimatribunal wegen Genozid und Ökozid verantworten. Und es gäbe eine sofortige Vollbremsung bei den Emissionen.

 

Ungerechtigkeit im Treibhaus

Seit der Umweltkonferenz in Rio im Jahre 1992 haben wir weiter von der Substanz gelebt und damit eigentlich unbezahlbare Schulden (z.B. in Form Treibhausgasemissionen) zu Lasten unseres Heimatplaneten, der Armen dieser Welt und der kommenden Generationen aufgehäuft. Die letzten 25 Jahre der Globalisierung haben dem Planeten möglicherweise den Todesstoß versetzt.

Statt den Umbau Richtung Nachhaltigkeit in Angriff zu nehmen, wurde in einer Art totalen Mobilmachung, an allen Fronten expandiert. Mehr Autos, mehr Transporte, mehr Müll und vor allem mehr CO2. Mit Vollgas wurde nochmal richtig durchgestartet, allerdings in die falsche Richtung, „Wachsen oder Weichen" war das Motto! Regionale, nachhaltige Lebens-und Wirtschaftsweisen blieben da massenhaft auf der Strecke.

Statt zu löschen, hat man all die Jahre seit der Umweltkonferenz in Rio 1992 weiter Öl und Benzin ins Feuer geschüttet und durch die Operation „Globalisierung" die weltweiten Emissionen von 20 auf über 40 Gigatonnen verdoppelt. Wenn Deutschland sich wegen der ostdeutschen Emissionsrückgänge zum „Klimaweltmeister" kürte, so war das nicht nur unlauterer Wettbewerb, sondern völlig verlogen, da sich deutsche Konzerne gleichzeitig bei der Motorisierung der halben Welt eine goldene Nase verdienten.

Allein zwischen 2005 und 2013 erhöhten sich die globalen CO2- Emissionen laut IPCC um satte 50% und „Wahnsinn" wurde zum Wort des neuen Jahrtausends. In der Tat, anders kann man es nicht bezeichnen.

Wenn man 25 Jahre nichts getan hätte, wäre es schlimm genug gewesen, aber man hat 25 Jahre das Falsche getan, wodurch eigentlich 50 Jahre für den Klimaschutz verschenkt wurden. Es erfolgte nicht nur eine beispiellose Kapitalakkumulation, sondern eine ebensolche Problemakkumulation.

Es ist müßig, hier aufzuzählen, was sich alles verdoppelt und verdreifacht hat,- die Autos, die Eisverluste und sicher auch die Gewinne und noch sicherer die Entropie, -entscheidend sind die verlorene Zeit und die Potenzierung des Klimaproblems zur Klimakatastrophe.

Im letzten Vierteljahrhundert sind wir aus dem Rahmen gefallen, dem der Klimarahmen-Konvention und aus dem des Klima- und Erdsystems und jetzt läuft uns die Zeit davon, da wir zuvor der Zeit und ihren Forderungen davongelaufen oder davongefahren sind.

Und nach dem Pariser Klimagipfel geht auch einfach alles weiter wie bisher. Man will es scheinbar auf die Katastrophe ankommen lassen, um dann sagen zu können: Jetzt ist es eh schon zu spät!

 

Alle Konten sind überzogen, alle Senken überlastet, jeder Kredit bei der Natur ist aufgebraucht.

Weitere Neuverschuldung und ein Abwälzen des Schuldendienstes auf den Rest der Welt und die Zukunft wäre unverantwortlich, denn eine Tilgung wird unmöglich sein und der ruinöse Bankrott des ganzen Systems Erde wäre dann schon sehr bald unvermeidlich.

 

Elementare, grundlegende Leistungen des Systems Erde sind bereits bedroht, wie die CO2-Aufnahme, die Temperaturregulierung und die Biomasse-und Sauerstoffproduktion, die die bisherigen lebensfreundlichen Umweltbedingungen auf der Erde ja überhaupt erst ermöglichten.

Entwertung und Enteignung

Indem wir ihre Leistungsfähigkeit zerstören und ihre Ressourcen verbrauchen, entwerten wir die Natur, womit wir gleichzeitig die Schwachen und ohnehin Armen dieser Welt und alle kommenden Generationen enteignen.

Die Bereitstellung lebensfreundlicher Umweltbedingungen durch die Natur, also z.B. erträglicher Temperaturen, ausreichender Niederschläge und langfristig eines ausreichenden Luftsauerstoffgehalts wird bald nicht mehr gratis für alle erfolgen, sondern ein teures, exklusives Gut, dass sich nur noch wenige leisten können (siehe Götz Brandt, Leben in der Vielfachkatastrophe, 2013).

 

Neben der Destabilisierung vieler biogeochemischer Regelkreise des Systems Erde, droht ja auch ein vielfacher Peak Everything, nicht nur beim Öl, sondern z.B. auch bei Wasser, Böden und Phosphor, der ein weiter so wie bisher, schon bald unmöglich machen wird.

 

Es ist nicht wieder gutzumachen, was wir jetzt leichtfertig zerstören und verbrauchen. Man kann die Folgen der Klimakatastrophe nicht einfach „bezahlen" oder rückgängig machen. Wie ersetzt man das Eis der Arktis, das vielleicht schon in 10 Jahren, im Sommer ganz verschwunden sein wird, wer rettet die Kleinlebewesen in den Ozeanen, die wegen der Versauerung keine Kalkschalenskelette mehr bilden können, wer ersetzt den Amazonas- Regenwald, der seit 2005 schon fünf schwere Dürren und den Verlust von Milliarden Bäumen ertragen musste und wie ersetzt man die austrocknende Taiga? Das heißt, die Reproduktion der Lebensgrundlagen wird bald nicht mehr stattfinden und entscheidende Regelkreise des Systems Erde, wie der Kohlenstoffkreislauf, geraten vollends aus dem Gleichgewicht.

 

Der Erde droht damit der viel zu schnelle Übergang in den lebensfeindlichen Systemzustand einer Heißzeit.

 

Die Klimakatastrophe ist unbezahlbar, denn sie kostet nicht weniger als das Leben, das bei einer unbegrenzten, nach erdgeschichtlichen Maßstäben blitzartigen, Erderwärmung völlig zur Disposition steht.

 

Es erfolgt damit eine fast vollständige Entwertung und Zerstörung des Naturkapitals und durch den Ausfall der Leistungen der Natur steht die menschliche Zivilisation vor einem beispiellosen Niedergang, der sich durch technische Mittel nur beschränkt und befristet aufhalten lassen wird. Wir werden bald feststellen, dass der Ausfall vieler Leistungen der Biosphäre nicht auszugleichen ist.

 

Ohne intaktes Leben, also ohne eine funktionierende, die Lebensvoraussetzungen aufrechterhaltende Biosphäre, ist die weitere Existenz der Menschheit nicht dauerhaft möglich.

 

Die Armen sterben zuerst

Noch können wir uns für das Leben entscheiden,- aber wenn wir weiter machen wie bisher, entscheiden wir uns für den Tod. Nicht für unseren eigenen, wozu wir ja das Recht hätten, sondern für den Tod sehr vieler Menschen in den armen Ländern und für den Tod, besser das nicht mehr leben können der künftigen Generationen und für den Tod des Planeten Erde, der möglicherweise in einen leblosen Zustand übergehen wird. Dazu haben wir kein Recht, das ist ein Verbrechen!

 

Ein amerikanischer Professor verkündet in National Geografic der Herren eigenen, sozialdarwinistischen Geist:

 

„Durch den Klimawandel wird sich die Weltbevölkerung um 3-4 Milliarden Menschen verringern, -dann haben wir kein Klimaproblem mehr!" Das menschenverachtende 20. Jahrhundert war offensichtlich nur ein Vorspiel.

 

Allerdings ist das eine doppelt falsche Einschätzung, denn einmal verursachen nicht die afrikanischen, asiatischen und südamerikanischen Kleinbauern die Klimakatastrophe und zum anderen würde eine irreversible, sich selbst verstärkende Erderwärmung, auch die Villa des Professors erreichen.

 

Nicht Elend und Not von 2/3 der Menschheit, sondern Verschwendung und Gier von einem Drittel sind die Hauptursache der planetaren Krise. Gandhi sagte: „Die Erde hat genug für den Hunger aller Menschen, aber nicht genug für die Gier einiger." Doch die Armen sterben zuerst.

 

So werden laut einer Studie des Massachusetts Institut of Technology (MIT) mehrere hundert Millionen Menschen in Indien, Pakistan und Bangladesch bis zum Ende des Jahrhunderts ihre Heimat verlieren, weil diese nicht mehr bewohnbar ist. Man stirbt beim Aufenthalt im Freien aufgrund der Hitze und der hohen Luftfeuchtigkeit. Die Bauern können also ihre Felder nicht mehr bewirtschaften und haben die Wahl zwischen Verhungern und Hitzschlag, da sie sich eine Umsiedlung nicht leisten können. Weite Landstriche werden darüber hinaus durch den Anstieg der Meere unbewohnbar werden (Bangladesch). Das weltweite Abschmelzen der Gletscher gefährdet zudem die Wasserversorgung von vielen hundert Millionen Menschen in Asien, Südamerika, aber auch in Europa.

 

Der Weltklimarat schreibt zu den Folgen der Klimakatastrophe:"In reicheren Gesellschaften (ein Fünftel der Menschheit verfügt über 85% des weltweiten BIP), geht es eher um den Verlust ökonomischer Werte,

in ärmeren, um starke Beeinträchtigungen der Gesundheit und den Verlust des Lebens…"

Nach Angaben der UNO sind alleine in Afrika 700 Millionen von 1.1 Milliarden Einwohnern durch den Klimawandel in ihrer Existenz gefährdet.

 

Die Menschen, die kaum zum Klimawandel beigetragen haben, können ihm nicht entkommen und sich nicht vor ihm schützen und sterben zuerst, -wie ungerecht.

 

Dass die reichen Länder, Elend und Tod von zig Millionen Menschen als Kollateralschaden ihres „Way of life" in Kauf nehmen, sollte der vielbeschworenen „Weltgemeinschaft" wenigstens bewusst sein. Doch Macht bricht Recht und ignoriert selbst die Naturgesetze. Die westlichen Herrschaftseliten meinen offenbar tatsächlich, den Krieg mit der Natur gewinnen zu können. Schon jetzt baut man die Deiche höher und auch die Grenzen.

 

Man will die Klimakatastrophe, aber auch ihre Folgen aussperren, -das Elend und die Not von 2/3 der Menschheit, obwohl man sie selbst verursacht hat. Der Stacheldraht der neuen Klimaapartheid verläuft an den EU-Außengrenzen und zwischen den USA und Mexiko. Aber sowohl der Kapitalismus, als auch die Klimakatastrophe sind kein Schicksal, beide wurden und werden von Menschen gemacht.

Klimagerechtigkeit

Die Erde befindet sich auf dem Weg in eine beispiellose Klimakatastrophe, mit Folgen, deren Ausmaß wir bisher nur ansatzweise überblicken und die weder beherrschbar, noch rückgängig zu machen sein werden.

Wir sind dabei, aus dem Paradies Erde eine Hölle zu machen, doch wir haben offenbar noch nicht einmal begriffen, was auf dem Spiel steht.

Die nach uns Kommenden werden uns verfluchen!

  

Wer spricht für sie, wer vertritt das Recht der nächsten 100 Generationen?

 

Wir haben nicht das Recht, zig Milliarden noch Ungeborener zu Elend und Tod zu verurteilen!

 

Und wir haben nicht das Recht, das Wunder des Lebens auf dem Altar des Mammons zu opfern.

Man muss es mal beim Namen nennen: was hier gerade ins Werk gesetzt wird, ist kein unvermeidbares Unglück, sondern der größte Massenmord der Geschichte, denn sie wissen, was sie tun.

  

Es gilt, die Verantwortlichen in Öl- und Energieunternehmen, Auto- Luftfahrt - und Rüstungskonzernen, in Banken und Regierungen beim Namen zu nennen und anzuklagen.

 

Moralisch diskreditiert haben sich z.B. die Autokonzerne ja schon selbst. Es handelt sich hier nicht um Kavaliersdelikte, sondern um Schwerverbrechen größten Ausmaßes - den künftigen Tod von Millionen oder gar Milliarden Menschen - ganz zu schweigen vom Ökozid an der Erde. Trotz des enormen Ausbaus der erneuerbaren Energien, haben sich die Treibhausgasemissionen Deutschlands seit neun Jahren nicht verringert.

 

Der fossilistische Machtblock in Wirtschaft und Politik muss vor allem auch juristisch unter Druck gesetzt werden. Die Verantwortlichen verletzen nicht nur gröblichst ihre Vorsorgepflicht, sondern auch nationales und internationales Recht ( F.Ekardt, Klimaklagen, 2018). Es gilt, ja nicht nur „Schaden vom deutschen Volke abzuwenden", sondern auch „eine gefährliche Störung des Klimasystems" zu vermeiden (Klimarahmenkonvention) und der Pariser Klima- Vertrag ist eine völkerrechtlich verbindliche Verpflichtung.

 

Die Umweltverbände beispielsweise, müssten durch Klagen beim Verfassungsgericht, beim Europäischen Gerichtshof und einem künftigen Klimagerichtshof, die Einhaltung dieser Verpflichtungen rechtlich erzwingen, um so, ein noch rechtzeitiges Umsteuern einzuleiten. In den Niederlanden wurde auf diesem Klageweg ein beispielhaftes Klimagesetz erzwungen.

 

Ein regelmäßig tagendes Klimatribunal, ähnlich dem Vietnam-Kongress könnte die Öffentlichkeit informieren und aufrütteln. Notwendig ist eine, Parteien und Länder übergreifende Koalition der Vernunft, eine Weltbürgerbewegung für die Rettung des Klimas und den notwendigen grundlegenden gesellschaftlichen Umbau. Notwendig ist eine, in der Tat, Große Transformation der Gesellschaften, um eine lebensbedrohliche Transformation des Systems Erde noch zu verhindern.

 

Prof. Rahmstorf: „Es geht dabei (den notwendigen Maßnahmen J.T.) nicht um Umweltschutz, auf dem Spiel steht der Fortbestand der menschlichen Zivilisation."

Wenn wir uns nicht schnellstens den Spielregeln des Planeten anpassen, dann werden wir den Planeten bald so verändert haben, dass wir uns nicht mehr anpassen können. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen.

 

Eine Alternative für das Leben

Es bleibt nicht mehr viel Zeit, um die drohende apokalyptische Heißzeit noch zu verhindern.

 

Es stehen ein Kassensturz, eine vorläufige Schlussbilanz, sowie ein Schuldentilgungsplan an, mit dem wir der Erde und den kommenden Generationen zurückgegeben, was wir ihnen genommen haben.

 

Die Indianer haben die Folgen ihres Tuns bis in die 7. Generation bedacht. Wenn wir nur die Rechte und Ansprüche der nächsten drei Generationen beachten würden, dann dürften wir nur noch ein Viertel des Jetzigen verbrauchen und emittieren und Energie und Rohstoffe müssten viermal so teuer sein.

 

Die einzig mögliche Realpolitik angesichts der drohenden Klimakatastrophe ist eine sofortige, entschlossene Rettungspolitik für die Erde und damit für die Menschheit, zumal wenn eine Stabilisierung des Klima- und Erdsystems nur noch kurze Zeit möglich ist.

Wir werden erdsystemkompatibel sein oder wir werden nicht sein.

Diese Rettungspolitik muss eine Politik der Gerechtigkeit und des Ausgleichs sein und gleiche Lebenschancen für alle respektieren. Das bedeutet nicht nur kein weiteres expansives, fossiles Wachstum auf Kosten des Südens und der kommenden Generationen, sondern Wiedergutmachung, soweit überhaupt noch möglich. Frieden mit und auf der Erde wird es nur geben, wenn wir unsere Schuld und unsere Schulden eingestehen und wieder gut machen und der Erde, den Armen und den kommenden Generationen zurückgeben, was wir ihnen genommen haben.

 

Der Westen muss seine historische Klimaschuld abarbeiten, sei es bei der notwendigen globalen Aufforstung in der Größenordnung von mehreren Millionen Quadratkilometern, aber auch beim Katastrophenschutz und Infrastrukturumbau, bei Maßnahmen von Geoengeneering und durch Ausgleichsmaßnahmen für ärmere Länder usw.usf. Vor allem die Expansion der weißen Zivilisation hat im Verlauf der bisherigen Geschichte, bereits mehr als ein Drittel des Waldbestandes des Planeten vernichtet. Wenn wir leben wollen, müssen wir Bäume pflanzen, statt Autos zu bauen. Wir werden uns mit dem begnügen, was uns zusteht oder maßlos alles verspielen. Wir werden gerecht sein oder dem Sein nicht gerecht.

 

„Nur Gerechtigkeit führt zum Frieden mit der Natur und zum Frieden unter den Menschen." (Indianisch).

 

Wir werden nur leben, wenn wir leben lassen…

 

Jürgen Tallig         2018           tall.j@web.de

 

https://earthattack-talligsklimablog.jimdofree.com/

Literatur:

 

U.Brand/M.Wissen, Imperiale Lebensweise, 2017

 

F.Ekardt, Paris- Abkommen, Menschenrechte und Klimaklagen, 2018

 

Götz Brandt, Leben in der Vielfachkatastrophe, 2013

W. Steffen, J.Rockström et al, Trajectories of the Earth System on the Anthropocene, 2018

 

 

 

David Wallace-Wells, „Der Planet schlägt zurück" (dt. im „Freitag",20.07.2017)

 

S. Rahmstorf, Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?, KlimaLounge,11.04.2017

 

WBGU, Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, Hauptgutachten 2011

 

WBGU, Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken, 2014

 

WBGU, Klimaschutz als Weltbürgerbewegung, Sondergutachten 2014

 

WBGU, Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation, Sondergutachten 2016

 

Naomi Klein, „Kapitalismus vs. Klima", 2015

 

J. Tallig, „Rasante Zerstörung des Blauen Planeten" Umwelt aktuell 12.2016/01.2017

 

„Die tödliche Falle" in Umwelt Aktuell 11/2017

 

„Earth First: Der Preis des Lebens", Blätter 10`18

 

Vandana Shiva, „Erd-Demokratie", 2005