Es braucht eine politische Heisszeit,

 

 

 

um die drohende apokalyptische Klima- Heisszeit noch zu verhindern.

 

 

Drei Jahre nach der historischen Pariser Klimakonferenz muss eine verheerende Bilanz der weltweiten klimapolitischen Bemühungen gezogen werden. Die Welt steuert ungebremst, ja sogar beschleunigt auf eine globale Katastrophe zu. Das Jahr 2018 signalisierte mit seinen weltweiten Hitzewellen und Dürren, austrocknenden Flüssen und verheerenden Waldbränden eine beschleunigte globale Erwärmung, doch die weltweiten CO2-Emissionen sind im Jahr 2017 um 1.7% und im Jahr 2018 sogar um ca. 3 % gestiegen.

 

Das Klima des Planeten steht offensichtlich auf der Kippe und nur sehr schnelle Maßnahmen großen Umfangs können sein Abrutschen in den lebensfeindlichen Zustand einer sich selbst verstärkenden Heisszeit noch verhindern. Doch die Pariser Verpflichtungen sind nachwievor nur ein leeres Versprechen, das selbst wenn es eingehalten würde, längst nicht mehr ausreicht, um die drohende Katastrophe noch zu verhindern.

 

„… Es ist längst zu erkennen, dass wir selbst bei Erfüllung des Pariser Klimavertrages auf eine Erderwärmung um 3 bis 4 Grad zusteuern", meint Klaus Wiegandt, Vorstand der Stiftung „Forum für Verantwortung". Dass diese „halbherzige Klimapolitik weiterhin ungestraft" möglich ist, „liegt vor allem an der Unkenntnis breiter Bevölkerungsschichten über die bedrohlichste Folge eines ungebremsten Klimawandels, …großflächige Ernteausfälle auf allen Kontinenten. Der Kampf um Nahrung und Wasser wird bald zum Alltag gehören- auch in Europa." (Die Zeit ist reif, Anzeige in DIE ZEIT 17, 17.04.2019).

 

Doch es ist inzwischen an jedem Küchentisch angekommen, dass es ein sehr ernstes Problem mit dem Klima gibt und schnell gehandelt werden muss.

 

 

Greta Thunberg brachte das allgemeine diffuse Unbehagen auf den Punkt: „Ich will, dass ihr handelt, als wenn euer Haus brennt, denn das tut es. …" Eine 16-jährige sagt endlich die Wahrheit so, dass sie jeder versteht: „Das Haus brennt.", „Wir müssen löschen!" Und: „Wir wollen eine Zukunft haben."

 

 

 

Ihre klaren Worte werden verstanden. Weltweit protestieren Schüler und Studenten, aber auch immer mehr Ältere gegen das offensichtliche Politikversagen angesichts der nahenden Klimakatastrophe.

 

Laut ARD- Deutschlandtrend befürworten 55 % aller Befragten die Klimademonstrationen, die „Fridays for Future", 80% sind für einen schnellen Kohleausstieg und die wiederergrünten „GRÜNEN" eilen von einem Umfragehoch zum Nächsten. Nicht nur das Klima des Planeten, auch das gesellschaftliche Klima steht offensichtlich auf der Kippe. Angesichts der Dimension der notwendigen Veränderungen braucht es eine schnelle „grundlegende Machtverschiebung"(Robert Habeck) in der Gesellschaft.

 

Der fossil- mobile Machtblock, der seit 25 Jahren den notwendigen ökologischen Umbau ausbremst, muss schnellstmöglich seinen völlig unverhältnismäßigen Einfluss auf die Gesellschaft und die Politik verlieren.

 

Das Risiko der Zerstörung der Lebensräume von Milliarden Menschen, aus kurz- und mittelfristigen Macht- und Profitinteressen in Kauf zu nehmen und das Klima- und Erdsystem möglicherweise irreversibel zu destabilisieren, ist ein Verbrechen an der Zukunft der Menschheit, das Tatsachen schafft, die von den kommenden Generationen nicht wieder korrigiert werden können.

 

Es braucht offensichtlich eine politische Heisszeit, um die drohende apokalyptische Klima- Heisszeit noch zu verhindern. Es geht um nicht weniger, als die Wiederherstellung des Primats der Politik, -um ein neues hegemoniales Projekt der Vernunft. Es geht ums Ganze, um eine neue Politik der ökologischen und ökonomischen Rahmensetzung, die die notwendige Anpassung an die erdsystemischen Begrenzungen vornimmt und den derzeitigen Katastrophenkurs beendet. Man kann nur hoffen, dass die „Kipppunkte" im gesellschaftlichen Bewusstsein eher erreicht sein werden, als die im Klimasystem.

 

 

Der Totalitarismus der Gegenwart auf Kosten der Zukunft

 

 

25 Jahre symbolischer Klimapolitik haben aus dem Klimawandel längst eine Klimakatastrophe gemacht.

 

Seit der Umwelt- und Klimakonferenz in Rio im Jahr 1992, hat sich das weltweite Bruttoinlandsprodukt mehr als verdreifacht und die weltweiten CO2- Emissionen und die Zahl der Autos haben sich verdoppelt.

 

Weltweit wächst der Wohlstand, doch dieses Wachstum wird zunehmend zu einer Bedrohung für das Leben. Wir verbrauchen die Substanz des Planeten, ohne dass diese sich noch regenerieren kann.

 

Unsere derzeitige Wirtschafts– und Lebensweise ist bekanntlich eine exklusive „Imperiale Lebensweise" (UlrichBrand/Markus Wissen, Imperiale Lebensweise, 2017), die auf der Ausplünderung und Ausbeutung des

 

Planeten und des Südens beruht und die Folgen, in Form von Abfällen und Treibhausgasen exportiert bzw. externalisiert. Doch der Zugriff des „weißen" Imperiums ist total, er beschränkt sich nicht auf die Gegenwart, er umfasst auch die Vergangenheit und sogar die Zukunft. Die in Jahrmillionen akkumulierten Leistungen der Biosphäre, endliche Rohstoffe und Brennstoffe werden ohne Rücksicht auf die Interessen und Rechte der kommenden Generationen verbraucht und künftiger Nutzung entzogen. Die Gegenwart überlastet dabei die Gemeinschaftsgüter (Commons) der Erde sogar derartig (z.B. die Wälder und Ozeane als Kohlenstoffsenken), dass sie ihre Leistungsfähigkeit verlieren, womit die Zukunft nicht nur enteignet, sondern faktisch unmöglich gemacht wird. Wir verprassen also nicht nur in einer beispiellosen Verschwendungsorgie, was für alle und tausende von Jahren reichen könnte und sollte; -nein damit nicht genug, wir zerstören sogar, wahrscheinlich irreversibel, die Reproduktionsfähigkeit der natürlichen Lebensgrundlagen, also die Fähigkeit der Biosphäre, Kohlendioxid aufzunehmen, die Temperatur zu regulieren und Sauerstoff zu produzieren und ausreichende Biomasse, als Grundlage der Nahrungsketten, um nur einiges zu nennen. Es droht der baldige, weitgehende Kollaps der lebenserhaltenden Biosphäre.

 

Alexander Gerst sah aus seiner Raumstation im Sommer 2018 ein braun und gelb verfärbtes Europa

 

 

und meinte: „Wenn ich auf den Planten Erde hinunterschaue, dann denke ich, dass ich mich bei euch entschuldigen muss, weil wir, meine Generation, unseren Planeten nicht im besten Zustand hinterlassen werden…". Was sehr zurückhaltend formuliert ist, aber zumindest die Ahnung enthält, dass gerade Unrecht geschieht und Rechte verletzt werden.

 

 

 

Es offenbart sich ein weiteres fatales Demokratiedefizit,- nicht nur der globale Süden und die Natur befinden sich in einem weitgehend rechtlosen und ungeschützten Zustand, sondern auch die kommenden Generationen.

 

Unsere angemaßten Freiheitsrechte auf Konsum und Mobilität gefährden also die grundlegenden Menschenrechte unserer Kinder und Enkel auf Leben und Gesundheit. Man könnte von einem Totalitarismus der Gegenwart auf Kosten der Zukunft sprechen, da die Zukunft bisher im System quasi nicht vorkommt, denn „Die Zukunft flüstert, aber die Gegenwart brüllt", -zumindest war es bisher so.

 

Die bisher von keinerlei Unrechtsbewusstsein getrübte Zukunftsvision der Sachwalter der Gegenwart ist eine zeit- und raumgreifende Verlängerung und Ausdehnung der Gegenwart und der Kapitalakkumulation ins Unendliche, ein exponentielles Wachstum des Existierenden. Doch das ist völlig unrealistisch, das ist eine negative Utopie, für die kein Platz auf der Erde ist und die das Leben bedroht.

 

Doch die im Inneren des megamaschinellen Getriebes zunehmende Gefühls- und Schmerzunempfindlichkeit und eine wachsende Entfremdung vom Lebendigen bewirken, dass der fortschreitende Verlust des Lebens und selbst die drohende Überlebenskrise der eigenen Gattung kaum gespürt werden.

 

Nicht zufällig sind es junge Menschen, die ja noch lebendig, empfindend und weniger gepanzert sind, die „for Future" demonstrieren, während die Älteren eher ihre Besitzstände in der Gegenwart bewahren wollen.

 

 

Greta Thunberg:" Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass eine sehr kleine Anzahl von Menschen weiterhin enorme Mengen von Geld machen kann. Unsere Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können. Es sind die Leiden der vielen, die für den Luxus der wenigen bezahlen". Die Megamaschine frisst ihre Kinder

 

 

 

Die Gegenwart bietet den kommenden Generationen einen denkbar schlechten „No Future-Deal" an:

 

„Ihr kauft weiter unsere Sachen und spielt weiter unsere Spiele und wir hinterlassen euch dafür die Erde als Wüste, mit nicht mehr allzu vielen Vorräten. Aber natürlich habt ihr die Freiheit in der Wüste nach Wasser zu bohren und Bäume zu pflanzen,- vielleicht bringt ihr das Klima ja wieder in Ordnung…".

 

Vielleicht aber auch nicht. Der frühere US-Außenminister John Kerry sprach auf der Münchner Sicherheitskonferenz von einem "gemeinsamen Selbstmordplan", den die Welt verfolge – da nicht das getan werde, "was getan werden muss" („Das ist ein gemeinsamer Selbstmordplan", Klimareporter, 17.02.2019).

 

Doch man muss es mal beim Namen nennen, was hier ins Werk gesetzt wurde und wird ist weder ein unvermeidbares Unglück und auch kein gemeinsamer Selbstmordplan, sondern fahrlässige, wenn nicht gar vorsätzliche Tötung. Man kann den fünf Milliarden Armen dieser Erde, die kaum zum Klimawandel beigetragen haben und den kommenden Generationen (zumal den noch Ungeborenen) kein Einverständnis mit diesem Wahnsinn unterstellen, wie die weltweiten Klimademonstrationen und eine anwachsende Flut von Klimaklagen belegen (siehe: Anne Kling, „Klimawandel und Menschenrechte - können es die Gerichte richten?", Heinrich-

 

Böll-Stiftung, 05. März 2019). Es handelt sich bei der, aus niedrigen Beweggründen, wie Gier, Macht- und Besitzstreben herbeigeführten Klimakatastrophe nicht nur um eine Menschenrechtsverletzung größten Ausmaßes, sondern in letzter Konsequenz um den größten Massenmord der Geschichte, denn Politik und Konzerne wussten und wissen seit 30 Jahren, was sie tun und welches Risiko sie in Kauf nehmen (Benjamin Franta, Sie wussten, was sie tun, Blätter, 11`18). Doch nicht nur die Politik und die fossilen Großkonzerne, wir alle wissen und ahnen seit langem, was wir tun. Und wir alle sind in der Verantwortung dafür, dass das Leben weitergeht und weitergehen kann. Wir haben die Älteren seinerzeit gefragt, wie konntet ihr die Verbrechen der Nazizeit zulassen, -ihr habt es doch gewusst, ihr konntet es wissen… Unsere Kinder und Enkel fragen uns heute wieder: „ Wie konntet und könnt ihr die Klimakatastrophe und die Zerstörung der Lebensgrundlagen zulassen? Ihr wart und seid doch bestens informiert über die Zerstörungen und die Veränderungen überall. Ihr kennt den Preis Eures Wohlstands und Eurer Bequemlichkeit. Und ihr lebt in keiner Diktatur… Wie könnt ihr es zulassen?".

 

Wir können es nicht zulassen! „Wo Recht missachtet wird und Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Die protestierenden Schüler und Studenten (Fridays for Future) haben alles Recht der Welt, im Namen all der kommenden Generationen dem Wahnsinn des „Weiter so" Einhalt zu gebieten und ihr Lebensrecht zu verteidigen. Sie stellen die unabweisbaren Fragen, die wir jetzt beantworten müssen. Wir haben die Pflicht, ihnen zu ihrem Recht zu verhelfen und alles Menschenmögliche zu tun, um die Erde im „grünen Bereich" zu halten. Jede Affirmation des Bestehenden ist inzwischen eine Affirmation der Katastrophe,- es gilt den notwendigen Bruch mit der zerstörerischen Kontinuität des „weiter so", zumindest zu denken.

 

 

Es braucht eine politische Heißzeit, um die drohende apokalyptische Klima- Heißzeit doch noch zu verhindern.

 

 

Die Klimaproteste der Schüler und Studenten waren und sind der langerhoffte „Weckruf für den Klimaschutz" (Germanwatch und WWF, 2018) und sie sind notwendig und überaus berechtigt, wie auch die entschiedene, einhellige Unterstützung der Wissenschaftler (Scientists for Future) zeigt, doch sie reichen nicht aus.

 

Es braucht einen noch viel breiteren gesellschaftlichen Aufbruch (Parents for Future, Teachers for Future, Artists for Future) und das entschlossene Engagement von Gewerkschaften, Kirchen, Verbänden und Parteien, um die rechtliche Verpflichtung zu ausreichendem Klimaschutz rechtzeitig durchzusetzen und das drohende Klimaverbrechen an den kommenden Generationen und die irreversible Zerstörung der Lebensgrundlagen noch zu verhindern. Individuelles Wohlverhalten und noch so gutgemeinte Alternativ- und Selbsthilfeprojekte reichen allerdings nicht aus, um das Steuer noch herum zu reißen, wenn das Falsche strukturell und systemisch massiv begünstigt wird. Das fossile Weltzerstörungsprojekt wird ja nachwievor mit jährlich ca. 60 Mrd. Euro subventioniert (weltweit sind es laut „Scientists for Future" sogar 5 Billionen US- Dollar) und seine immer verheerenderen Folgen werden sozialisiert und externalisiert, also auf die Gesellschaft, die Natur und vor allem auf die kommenden Generationen abgewälzt. Wenn eine Tonne CO2 laut Umweltbundesamt Schäden in Höhe von 180 Euro verursacht (Hohe Kosten durch unterlassenen Umweltschutz | Umweltbundesamt | PM Nr. 37/2018 vom 20.11.2018), aber faktisch nachwievor fast nichts oder viel zu wenig kostet, dann offenbart sich darin nicht nur Marktversagen, sondern auch der übermäßige Einfluss fossiler Großkonzerne auf die derzeitige Politik. Der Widerspruch zwischen den Profitinteressen einiger und den Überlebensinteressen der vielen wird immer offensichtlicher. Es geht darum, die „Große Koalition" des fossilen-mobil-monetären Machtkomplexes in Wirtschaft und Politik unter Druck zu setzen (siehe: Thilo Bode, Lobbyismus 2.0: Der industriell-politische Komplex, Blätter 10`18) und schnellstmöglich zu beenden.

 

Eine grundlegende Demokratisierung und Reformierung der Gesellschaft ist Voraussetzung, um die nötige ökologische Wende noch rechtzeitig auf den Weg zu bringen. Die neue Klimabewegung darf sich nicht mit wohlmeinenden Appellen und Forderungen begnügen und Unterschriften sammeln und Petitionen einreichen, sondern es muss realer Druck organisiert werden: auf der Straße, durch Aufklärung der Öffentlichkeit, durch zivilen Ungehorsam, Blockaden, politische Streiks, Boykottaufrufe (z.B. gegen VW und RWE).

 

50 Jahre nach 68 und fast 30 Jahre nach der ostdeutschen Demokratiebewegung von 89 braucht es eine Bewegung ähnlichen Ausmaßes, um diesen in Jahrzehnten gewachsenen Machtfilz zurückzudrängen.

 

Es muss auch juristisch, durch Klagen der Umweltverbände gegen die fossilen Großkonzerne, ein Kurswechsel erzwungen werden. Auch die Bundesregierung muss offensichtlich durch Klagen zur Einhaltung ihrer klimapolitischen Verpflichtungen gezwungen werden. Es ist offenkundig, dass sie mit ihrer klimapolitischen

 

Verschleppungstaktik den fossilen Großkonzernen den Rücken frei hält und damit vielfach gegen geltendes Recht verstößt (F.Ekardt, Paris- Abkommen, Menschenrechte und Klimaklagen, 2018).

 

Laut Kai Niebert, dem Präsidenten des Deutschen Naturschutzrings (DNR), der immerhin fast 90 Verbände mit über 10 Millionen Mitgliedern und Förderern repräsentiert, „geht es darum, bestehendes Recht und politische Beschlüsse gegen die Untätigkeit der Regierungen durchzusetzen. Wir Umweltverbände sind auf dem richtigen Kurs, weil wir den Staat zur Einhaltung seiner eigenen Gesetze zwingen wollen…." („Dann war Hambach nur ein laues Lüftchen", Klimareporter, 23.03.2019). Der Transformationsdruck gegen die „Große" Blockade der Verteidiger des Status quo wächst bereits beständig, doch er muss weiter erhöht werden.

 

 

Leben für die Zukunft - Zukunft für das Leben

 

 

Um die massive Begünstigung des Falschen endlich zu beenden, dürfte ein Machtwechsel unumgänglich sein. Um das Richtige tun zu können, muss man vor allem erst mal aufhören, das Falsche zu tun, was einen grundlegenden Umbau der Gesellschaft und entsprechende ökologische und ökonomische Weichenstellungen und Rahmensetzungen erfordert. Das weitere, „falsche" Wachstum der destruktiven, fossilistischen Strukturen muss schnellstmöglich zugunsten des nötigen Um- und Aufbaus nachhaltiger, zukunftsfähiger Wirtschafts- und Lebensweisen und für die nötigen Vermeidungs- und Anpassungsmaßnahmen beendet werden.

 

Ein weiterer Handlungsaufschub und Klimaschutz am St. Nimmerleinstag sind nicht möglich. 2038, im Jahr des viel zu späten Kohleausstiegs, dürfte die Erderwärmung bereits unkontrollierbar geworden sein und sich irreversibel verselbständigt haben. Es braucht deshalb ein neues, politisch und kulturell hegemoniales Projekt, dass sich tatsächlich danach ausrichtet, wozu Deutschland rechtlich verpflichtet ist und was notwendig ist, um die erdsystemische Stabilität und Reproduktionsfähigkeit aufrecht zu erhalten und wieder herzustellen.

 

Es muss das Primat einer vernunftgeleiteten Politik durchgesetzt werden, die die Gemeinwohlinteressen und langfristigen Überlebensinteressen gegen kurzfristige Sonderinteressen durchsetzt.

 

 

Leben für die Zukunft - Zukunft für das Leben oder Zukunft für Alle- Alle für die Zukunft, das wäre das Leitmotiv einer sozialökologischen Wende.

 

 

 

Allerdings hat man den Eindruck, dass die potentiellen Akteure des „Andersherum" gleichsam „zum Jagen getragen werden müssen" und weder willens noch fähig scheinen, sich dieser Jahrhundertaufgabe anzunehmen. Die LINKE blockiert und marginalisiert ihr eigenes ökologisches Potential und scheint sich als Regional- und Klientelpartei zu genügen und die SPD hat vom vielen Krötenschlucken als Juniorpartner der Endlos- GroKo, Schwierigkeiten mit eigener Stimme zu sprechen. Dabei ist sie vor nunmehr 30 Jahren noch für den „Ökologischen Umbau der Industriegesellschaft" in den Wahlkampf gezogen. Natürlich wird die Gravitation der „Mitte", also des „Weiter so", versuchen einzubinden was geht bis sie schwer genug ist, was sie ja bisher immer geschafft hat. „Doch in Gefahr und größter Not, ist oft der Mittelweg der Tod." Das haben inzwischen sehr viele Menschen begriffen und möglicherweise gibt es längst eine neue Mitte der Gesellschaft, neue Mehrheiten, die bloß bisher noch nicht wirksam werden konnten. 10 Millionen engagierte und informierte Mitglieder und Unterstützer der Umweltverbände sind eine Macht und könnten die Gesellschaft vollständig verändern. Alle Parteien zusammen haben nur ein Bruchteil dessen an Mitgliedern.

 

Vielleicht braucht es eine gleichermaßen parteiunabhängige, wie parteiübergreifende Bürgerbewegung Klimaschutz, deren Listen allen offenstehen, die der Sache verpflichtet sind,- die diesen Willen zum Schutz und Erhalt der Umwelt endlich politisch transportiert und umsetzt!? Damit endlich das Überfällige angepackt wird und die Weichen in Richtung Zukunft und Überleben gestellt werden.

 

 

Eine breite Klimaschutzbewegung, eine Bürgerbewegung Klimaschutz, könnten den Weg für eine neue politische Koalition der Vernunft, für eine Alternative für das Leben bereiten und so mithelfen, dass endlich die notwendige „Große Transformation" aller Gesellschaftsbereiche auf den Weg gebracht wird.

 

 

 

Das Vernünftige ist längst mehrheitsfähig,- es muss nur wirklich gewollt, breit popularisiert und entschlossen in Angriff genommen werden. Und es ist längst eine unaufschiebbare Notwendigkeit.

 

Eine „Zukunftskommission" der künftigen Koalition der Vernunft und ein Zukunftskongress der Zivilgesellschaft sollten die Konturen einer Ökologischen Wende abstecken und ein Umbauprogramm entwickeln. Es wäre ein sofortiger Maßnahmeplan notwendig, um den derzeitigen Reformstau schnell aufzulösen und erste Weichen Richtung Zukunft zu stellen.

 

Die Umlenkung der unsinnigen Subventionen für fossile Brennstoffe, der schnelle Kohleausstieg, die Verkehrswende (kostenloser ÖPNV), der Übergang zu 100% ökologischer Landwirtschaft (Glyphosat- Verbot), massive Aufforstung, eine Steuer auf Flugbenzin (Kerosinsteuer), eine Plastik- und Verpackungssteuer, Werbeverbot für umweltschädliche Produkte (wie z.B. Autos),- das wäre ein Sofortprogramm, dem eine breite Zustimmung sicher wäre. Notwendig wäre zudem schnellstmöglich, eine sozial gerechte, belastbare politische Rahmensetzung, die Energie, Rohstoffe und vor allem Emissionen progressiv ansteigend verteuert, mit einer weitgehenden CO2- Besteuerung als Schlüsselstrategie und damit den Strukturwandel in Richtung Null Emissionen vorantreibt Dass der Schutz des Klimas mit den absurden Gewinnerwartungen des aufgeblähten Finanzsektors unvereinbar ist, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Die okkupierte Zukunft muss natürlich auch aus diesem Klammergriff befreit werden.

 

Ob und wie schnell ein grün-rot-rotes Reformprojekt den fossil- mobilen globalisierungsorientierten Machtkomplex in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zurückdrängen und eine ökologische und mehr binnenmarktorientierte Wirtschaftspolitik durchsetzen kann, hängt auch vom Druck der „Straße" ab.

 

Die überall neu entstehenden und wachsenden Strukturen einer basisdemokratischen und zukunftsorientierten Zivilgesellschaft, wie Parents for Future oder Potsdam for Future und ökonomische und kulturelle Alternativstrukturen können dem gesellschaftlichen Wandel Rückhalt und Antrieb sein.

 

Solch ein gelingendes Projekt Zukunft, wäre ein unverhofftes Geschenk Deutschlands an die Welt und würde zeigen dass Deutschland tatsächlich Lehren aus seiner Geschichte gezogen hat. Dass da ein klimapolitischer Vorreiter wäre, der nicht nur den eigenen Vorteil sucht, sondern auf Augenhöhe mit seinen europäischen Partnern das allgemeine Beste und der die notwendige Gerechtigkeit zwischen Generationen und Ländern, nicht als Machtbeschränkung, sondern als Voraussetzung für Stabilität begreift,- nicht nur beim Klima, sondern auch ökonomisch und finanziell,- das könnte möglicherweise auch Impuls für ein globales Umsteuern sein.

 

Und es braucht einen baldigen deutschen, europäischen und globalen Aufbruch, sehr viele große und kleine Schritte überall auf der Welt, denn unsere derzeitige „Komfortzone" (Greta Thunberg) ist in Wirklichkeit eine Todeszone, die wir in der Tat schnellstmöglich verlassen müssen, wenn das Leben eine Zukunft haben soll.

 

Jürgen Tallig 2019 tall.j@web.de https://earthattack-talligsklimablog.jimdofree.com

 

Literatur:

 

WBGU, Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, Hauptgutachten 2011

 

WBGU, Klimaschutz als Weltbürgerbewegung, Sondergutachten 2014

 

Naomi Klein, „Kapitalismus vs. Klima", 2015

 

Uwe Schneidewind, Die Große Transformation, 2018

 

Jürgen Tallig, „Letzte Ausfahrt Paris", Umwelt aktuell 12. 2015/01.2016

 

„Rasante Zerstörung des Blauen Planeten" Umwelt aktuell 12.2016/01.2017

 

„Erderwärmung außer Kontrolle?" 2019, Online- Zeitschrift „scharf-links"

 

„Zukunftsfähiges Deutschland", Studien des Wuppertal Instituts 1997 und 2008