Eine Alternative für das Leben (AfL)

 

 

Angesichts der Klimakatastrophe braucht es eine Große Koalition der Vernunft

Die historische Aufgabe einer linken Partei kann es heute nur sein, den Erdsystemkollaps noch zu verhindern und die Lebensgrundlagen zu erhalten. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber dem „globalen Süden" und gegenüber den kommenden Generationen.

Die Frage der Gerechtigkeit hat angesichts der drohenden Klimakatastrophe eine zentrale Bedeutung, wenn auch viel weiter gefasst als bisher. Unsere derzeitige Wirtschafts- und Lebensweise bedroht das Leben der Armen und Schwachen dieser Welt und das der vielen Milliarden Menschen, die noch nach uns auf der Erde leben wollen. Sie ist Ausdruck einer erschreckenden Gleichgültigkeit gegenüber der Zukunft und einer völligen Missachtung und Verkennung des Eigenwertes des vielfältigen Lebens auf der Erde.

 

Gerechtigkeit bedeutet, gleiche Rechte für alle, auch für die Armen und Schwachen dieser Welt und für alle kommenden Generationen. Gerechtigkeit herzustellen würde, so betrachtet, gleichzeitig die Zukunft sichern und die ökologische Frage lösen, da sie die Menschenrechte und vor allem das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit für alle akzeptiert (siehe F. Ekardt, Rechtsgutachten zum Paris- Abkommen). Eine so verstandene Gerechtigkeit würde bedeuten, dass den westlichen und wohlhabenden Ländern nur so viel zusteht, dass dadurch die Rechte der anderen, auch die in der Zukunft, nicht beeinträchtigt werden.

 

Unser Energie- und Stoffumsatz müsste sich deshalb und wegen der völkerrechtlich verbindlichen Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens schnellstmöglich um den Faktor 10 reduzieren.

 

Unsere Lebensweise ist jedoch eine „Imperiale Lebensweise" (U.Brand/M.Wissen, Imperiale Lebensweise, 2017), die auf der Ausplünderung und Ausbeutung des Planeten beruht und die Folgen, in Form von Abfällen und Treibhausgasen exportiert bzw. externalisiert,- ohne Rücksicht auf Verluste. Die treten ja bisher vor allem im Süden und in der Zukunft auf und werden deshalb nicht wirklich wahrgenommen. Energie und Rohstoffe sind viel zu billig,- „…billig wie Dreck" (E. Altvater), weshalb aus dem Vollen geschöpft wird.

 

Unsere Wirtschafts- und Lebensweise ist parasitär und lebensfeindlich und überlastet und destabilisiert die Biosphäre und das Erdsystem. Sie beruht auf falschen Annahmen und Voraussetzungen und ist nicht zukunftsfähig, sondern längst ein „Todesprojekt", das die Fähigkeit des Systems Erde, lebensfreundliche Umweltbedingungen aufrecht zu erhalten, gerade endgültig zerstört.

 

So hat sich die Fähigkeit der Biosphäre, Kohlendioxid aufzunehmen und in Sauerstoff umzuwandeln, bereits erheblich verringert. Die unverändert viel zu hohen Treibhausgasemissionen der Menschheit führen zum Überschreiten weiterer Kipppunkte im Klima- und Erdsystem und destabilisieren es immer weiter. Die Erde ist dabei, irreversibel die Schwelle zur Heißzeit zu überschreiten und in einen lebensfeindlichen Systemzustand überzugehen.

 

Durch unser Nichthandeln versäumen wir gerade die letzte Möglichkeit für eine Begrenzung der Klimakatastrophe und nehmen das Risiko einer sich selbst verstärkenden Aufheizung in Kauf, die die Erde für viele tausend oder zehntausend Jahre weitgehend unbewohnbar machen würde.

 

Doch der übermächtige fossil- globalistische Machtkomplex in den westlichen Industrieländern verhindert seit 25 Jahren das notwendige entschlossene Umsteuern und will auch jetzt noch einfach weitermachen wie bisher.

 

Das ist nicht nur verantwortungslos und ungerecht, sondern ein Verbrechen,- begangen ohne Not.

 

Wir entscheiden gerade irreversibel über Leben und Tod der kommenden Generationen und der Schwachen und Armen dieser Erde, die zwar das Recht, aber nicht die Möglichkeit haben, unsere Entscheidung gegen das Leben anzufechten und wieder rückgängig zu machen.

Ungerechtigkeit im Treibhaus

Mit unserem exzessiven Energie- und Rohstoffverbrauch haben wir seit der Umweltkonferenz in Rio 1992 weiter ungeheuren Schaden angerichtet und von der Substanz gelebt und damit eigentlich unbezahlbare Schulden zulasten unseres Heimatplaneten und der kommenden Generationen aufgehäuft. Unsere Verschwendung von Energie und Rohstoffen und die Tatsache, dass wir nicht den wahren, realen Preis für die Leistungen der Natur bezahlen, wird langfristig möglicherweise Milliarden Menschen das Leben kosten und zur weitgehenden Auslöschung des Lebens auf der Erde führen.

 

Die Indianer haben die Folgen ihres Tuns bis in die 7. Generation bedacht. Wir haben uns dagegen bisher das Zehnfache dessen genommen, was uns zugestanden hätte,- weil es so billig war und haben entsprechend viele Abfälle und Treibhausgase verursacht. Wenn wir nur die Rechte und Ansprüche der nächsten drei Generationen beachten würden, dann dürften wir nur noch ein Viertel des Jetzigen verbrauchen und emittieren und Energie und Rohstoffe müssten viermal so teuer sein.

 

Dass die Industrieländer um den Faktor 10 über ihre natürlichen Verhältnisse leben, war in den 90ern schon einmal Allgemeinwissen. Auch das Kyoto- Protokoll verpflichtete ja die Industrieländer ihre Treibhausgasemissionen um 90 %, also den Faktor 10 zu reduzieren. Bereits 1994 gründeten renommierte Wissenschaftler einen „Faktor- 10- Club", der das Problem durch Effizienzsteigerungen lösen wollte.

 

Könnten die westlichen Industrieländer nur Ihre eigenen CO2- Senken nutzen, dann wäre ihr fossiles Wachstumsmodell schon längst nicht mehr möglich. Zum Beispiel liegen die deutschen CO2- Emissionen bei weit über 800 Millionen Tonnen jährlich, -der deutsche Wald kann allerdings nur 80 Mill. t absorbieren. Selbst wenn man die schmutzigen Zulieferungen und die globalen Aktivitäten seiner Konzerne und all deren CO2- Rucksäcke nicht berücksichtigt, verursacht Deutschland also das 10 fache dessen, was seine eigenen CO2-Senken aufnehmen können, externalisiert also weitgehend kostenfrei über 90% seiner Emissionen und nimmt gratis die globalen Leistungen der Biosphäre in Anspruch. Das ist ökologischer Imperialismus.

 

Längst weiß das viele CO2 nicht mehr wohin, längst sind die natürlichen Senken überlastet und drohen zu kollabieren. Elementare, grundlegende Leistungen des Systems Erde sind bedroht, wie die CO2-Aufnahme, die Temperaturregulierung und die Sauerstoffproduktion, die die bisherigen lebensfreundlichen Umweltbedingungen auf der Erde ja überhaupt erst ermöglichten. Die Fähigkeit der Wälder und Ozeane, diese Leistungen zu erbringen ist bereits stark beeinträchtigt und nimmt durch Hitzestress und Übersauerung immer weiter ab,- längst ist der Amazonas- Regenwald dabei, zur Steppe zu werden, längst schwindet das Plankton in den warmen und sauren Meeren. Und was nun?

 

Viele Leistungen der Natur sind nun einmal einfach unersetzlich, - durch ihren Verlust sind „die Lebenserhaltungsfunktionen der natürlichen Umwelt gefährdet, und ihre Erosion kann durch technologische Innovationen nicht aufgefangen werden (F. Luks, 2001)°.

 

Viele Regelkreise der Erde und ihre Fähigkeit, ausgeglichene Bilanzen aufrecht zu erhalten, sind bereits weitgehend zerstört. Die Bereitstellung lebensfreundlicher Umweltbedingungen, also z.B. erträglicher Temperaturen, ausreichender Niederschläge und langfristig eines ausreichenden Luftsauerstoffgehalts wird bald nicht mehr gratis für alle erfolgen, sondern ein teures, exklusives Gut, dass sich nur noch wenige leisten können (siehe Götz Brandt, Leben in der Vielfachkatastrophe, 2013). Wir entwerten die Natur, indem wir ihre Leistungsfähigkeit zerstören, womit wir gleichzeitig die Schwachen und ohnehin Armen dieser Welt und alle kommenden Generationen enteignen.

Schlussbilanz

Alle Konten sind überzogen, alle Senken überlastet, jeder Kredit bei der Natur ist aufgebraucht.

 

Weitere Neuverschuldung und ein Abwälzen des Schuldendienstes auf den Rest der Welt und die Zukunft wäre unverantwortlich, denn eine Tilgung wird unmöglich sein und der ruinöse Bankrott des ganzen Systems Erde wäre dann schon sehr bald unvermeidlich. Mit einem „Weiter so", würden wir den Planeten unwiderruflich in eine lebensfeindliche Heißzeit befördern und die Lebensgrundlagen für alle kommenden Generationen vernichten. Entweder wir bleiben innerhalb der lebensfreundlichen Rahmenbedingungen, die das Klima- und Erdsystem seit Jahrmillionen aufrecht erhält, oder „wir fallen aus dem Rahmen". Entweder wir bleiben im Rahmen des Möglichen oder wir werden ihn auf immer verlassen.

 

Das kann man so doppeldeutig nehmen, wie es gemeint ist.

 

Die Erde befindet sich auf dem Weg in eine beispiellose Klimakatastrophe, mit Folgen, deren Ausmaß wir bisher nur ansatzweise überblicken und die weder beherrschbar, noch rückgängig zu machen sein werden.

Wenn wir uns nicht schnellstens den Spielregeln des Planeten anpassen, dann werden wir den Planeten bald so verändert haben, dass wir uns nicht mehr anpassen können.

Wahrscheinlich werden wir erst dann begreifen, was wir getan haben. Mehr ist dazu eigentlich nicht zu sagen. Die einzig mögliche Realpolitik angesichts der drohenden Klimakatastrophe ist eine sofortige, entschlossene Rettungspolitik für die Erde und damit für die Menschheit, zumal wenn eine Stabilisierung des Klima- und Erdsystems nur noch kurze Zeit möglich ist.

 

Das bedeutet den Übergang von einer symbolischen Klimapolitik der Problemvertagung, zu einer realen Klimapolitik der Problemlösung. In kürzester Zeit müssen von der Menschheit zwei Aufgaben bewältigt werden:

Die Anpassung an das System Erde und seine Stabilisierung

Erstens muss die menschliche Zivilisation, „sofort" erdsystemkompatibel werden und die hochgefährliche Veränderung planetarer Kreisläufe und Regelmechanismen beenden.

 

 

Das erfordert vor allem, dass die CO2- Emissionen der Menschheit von derzeit über 40 Gigatonnen (Gt) oder Milliarden Tonnen schnellstmöglich auf maximal 2 Gt gesenkt werden. Dazu muss das globalisierte Entwicklungsmodell der westlichen Industriegesellschaften, das auf der exzessiven Nutzung fossiler Brennstoffe beruht, grundlegend umgebaut werden.

 

Die Welt muss in kürzester Zeit zu einer erdsystemverträglichen und zukunftsfähigen Lebensform übergehen, die den Planeten nicht weiter destabilisiert und sich gleichzeitig an den unvermeidlichen Klimawandel anpassen (Wasserversorgung, Katastrophenschutz usw.).

Zweitens und gleichzeitig muss ein großangelegtes Programm zur Stabilisierung des Klima- und Erdsystems auf den Weg gebracht werden, um die Schere im Kohlenstoffkreislauf wieder zu schließen. Es geht um die Stabilisierung und Wiederherstellung der natürlichen Kohlenstoffsenken. Die Photosynthese betreibende Pflanzenmasse muss möglichst verdoppelt werden und zusätzlich eine aktive Entfernung von CO2 aus der Atmosphäre erfolgen. Kernpunkt wäre dabei der globale Stopp von Holzeinschlag und Waldvernichtung und ein gigantisches Programm zur Wiederaufforstung. Zurzeit ist die Klimapolitik damit beschäftigt, die Waldvernichtung möglichst zu halbieren. Das zeigt, wie weit wir vom eigentlich Nötigen entfernt sind.

 

 

Auch die CO2- Rückholung durch sinnvolle Maßnahmen von Geoengeneering ist angesichts der dramatischen Lage notwendig. Das A und O ist aber die sofortige, drastische Reduzierung der Treibhausgasemissionen, sonst bleiben alle Bemühungen, den Kohlenstoffkreislauf zu stabilisieren, wirkungslos.

 

Liberalisierung, Deregulierung und Globalisierung haben aus dem Klimaproblem eine Klimakatastrophe gemacht, die nur noch mit entschlossenem Handeln zu begrenzen ist.

 

Einen ernsthaften Versuch sollte die Sicherung des Überlebens der Menschheit doch wert sein.

Eine Alternative für das Leben

Dem unmöglichen, fossilen „Todesprojekt" muss eine „Alternative für das Leben" entgegengestellt werden, eine Alternative für das Primat einer vernunftgeleiteten Politik.

 

Eine Alternative für das Leben muss schonungslos über den derzeitigen Todesweg aufklären und klar sagen, welche Gefahren drohen, was zu tun ist, was geht und was nicht mehr geht und wie viel Zeit uns noch bleibt.

 

Die Wahrheit ist dabei ein starker Verbündeter.

 

Noch können wir uns für das Leben entscheiden,- aber wenn wir weiter machen wie bisher, entscheiden wir uns für den Tod. Das müsste eine Alternative für das Leben deutlich machen, darüber müsste sie aufklären, dafür müsste sie mobilisieren.

 

Die Linke müsste angesichts der Klimakatastrophe eine Große Koalition der Vernunft initiieren, die dem verantwortungslosen „Weiter so" der „GroKo" eine Alternative für das Leben entgegenstellt.

 

Das wäre eine Art neuer Historischer Kompromiss, des das gemeinsame Überlebensinteresse in den Vordergrund stellt und mit den alternativ und ökologisch orientierten Kräften in allen Parteien und in der Gesellschaft eine geistige, aber letztlich auch eine politische Hegemonie anstrebt.

 

Ein rot-rot-grünes Reformprojekt dürfte mit einer klugen, Alternativen suchenden Andrea Nahles, weit größere Chancen haben, als bisher.

 

Mit einer Alternative für das Leben könnte die bisherige scheinbare Alternativlosigkeit beendet werden und die Stimme der Vernunft vielleicht noch rechtzeitig Gehör finden. Es gilt, Wege in und aus der Gefahr aufzuzeigen und die notwendige Große Transformation auf den Weg zu bringen.

 

Die Teilhabe an der Verwaltung des Falschen kann nicht Hauptaufgabe einer Alternativen Linken sein, sondern allenfalls strategisch- taktischer Natur. Im Land des Exportweltmeisters und Globalisierungsgewinners ist eine ökologische Linke ja mitten in Feindesland, quasi im Herzen der Finsternis. Adornos Satz: "Es gibt nichts Richtiges im Falschen." muss hier immer gegenwärtig sein, um nicht falschem Augenschein und umweltpolitischen Illusionen zu verfallen.

 

Eine Linke, die nur noch versucht, für ihre Klientel ein gebührendes Stück vom vergifteten Wohlstandskuchen abzuschneiden, akzeptiert letztlich ja, dass dieser Kuchen weiter wächst,- was er zwar noch kann, aber nicht mehr darf-, und ist damit genauso wenig auf der Höhe der Zeit, wie all die anderen „Weiter So- Fraktionen". Denn unsere ganze Art Kuchen zu backen, steht zur Disposition.

 

Das weitere, „falsche" Wachstum der destruktiven, fossilistischen Strukturen muss beendet werden, zugunsten des nötigen Um- und Aufbaus nachhaltiger, zukunftsfähiger Wirtschafts- und Lebensweisen und der nötigen globalen Vermeidungs- und Anpassungsmaßnahmen.

 

Die fast vollautomatische Bäckerei, mit ihrem viel zu hohen Energieverbrauch muss verschrottet werden, da uns sonst das Haus abbrennt,- das ist die Entscheidung vor der wir stehen. Zu sagen: „Wir woll`n nicht nur unser Stück vom Kuchen, wir woll`n die ganze Bäckerei`!", klingt zwar gut, verfehlt aber das eigentliche Thema. Eine Bäckerei, die nicht das Haus Erde verheizt und in Brand setzt und in der wir kleinere Brötchen backen, also eine sehr viel weniger Energie- und ressourcenintensive Produktions- und Lebensweise, das ist das Thema.

 

Jeder vernünftige Mensch würde sich für die Rettung des Hauses (Oikos) entscheiden, zumal,

 

wenn bei einem Brand ein Großteil der Hausbewohner ums Leben käme und das Haus unbewohnbar werden würde und ein Umzug nicht möglich wäre, da das Haus eine Insel im luftleeren Raum ist.

 

Wie können wir satt werden, wie können wir leben, ohne die Lebensgrundlagen zu verbrauchen und zu zerstören, das ist die große Frage, vor der die Menschheit steht.

 

Wie kann eine neue erdsystemkompatible Gesellschaft aussehen und wie gelangen wir dorthin.

 

Die Aussöhnung zwischen Mensch und Natur,- ein neuer Bund, darum geht es.

Exkurs: Der Fortschritt ist eine Illusion

Die Linke muss sich vom Fortschrittsprojekt verabschieden, dessen Produkt und Teil sie ist.

 

Der Marxismus liefert zwar eine weitgehend zutreffende Analyse des Kapitalismus und der Globalisierungszwänge (siehe Kommunistisches Manifest) hängt aber gleichzeitig einem eschatologischen Fortschrittsglauben an, der sich angesichts der Klimakatastrohe nunmehr endgültig erledigt hat.

 

„Die Springquellen des Reichtums" erweisen sich als Büchse der Pandora.

 

Produktivkräfte sind längst Destruktivkräfte und beruhen ja wesentlich auf der unbegrenzten Verfügbarkeit von Energie vor allem aus fossilen Brennstoffen.

 

Die Fortschrittsperspektive führt nicht irgendwann in ein neues, kommunistisches Paradies des Überflusses und der Faulheit für alle, sondern für die meisten Heutigen und alle Kommenden wird selbst ein bescheidenes Leben auf der Erde unmöglich gemacht.

 

In den westlichen Industrieländern allerdings wäre der Übergang zum Kommunismus sofort möglich.

 

Die Produktivität ist längst hoch genug für ein " jeder nach seinen Bedürfnissen". Und es müssten in der Tat nur noch 20 % arbeiten. Allerdings stünde diese Art Kommunismus vor denselben ökologischen Grenzen wie der derzeitige staatsmonopolistische Kapitalismus, da er ja dessen technische und energetische Voraussetzungen erst einmal übernehmen würde. Dauerhaft möglich, also zukunftsfähig und nachhaltig könnte nur eine ökosozialistische oder ökokommunistische Gesellschaft sein, die ihren Stoffwechsel mit der Natur innerhalb der erdsystemischen Grenzen vollzieht, also keine oder so gut wie keine Treibhausgasemissionen verursacht.

Die Aufgaben einer linken Alternative

Eine Ökologische Linke, eine Alternative für das Leben muss Verantwortliche, strukturelle Ursachen und gesellschaftliche Alternativen klar benennen. Vor allem muss die Öffentlichkeit über die drohenden Gefahren aufgeklärt und informiert werden, möglicherweise auch mit unorthodoxen Methoden.

 

Zum Beispiel könnte ein regelmäßig tagendes Klimatribunal informieren und aufrütteln. Die Einsicht, dass weiteres Wirtschaftswachstum von einem bereits zehnmal zu hohen Level, mit einer Stabilisierung des Klima- und Erdsystems nicht zu vereinbaren ist, muss sich endlich gesellschaftlich durchsetzen.

 

Der fossilistische Machtblock in Wirtschaft und Politik muss auch juristisch unter Druck gesetzt werden.

 

400000 Menschen sterben jedes Jahr in Europa auf Grund von Autoabgasen und die Klimakatastrophe wird den Tod von Milliarden Menschen zur Folge haben. Es handelt sich hier nicht um Kavaliersdelikte, sondern um Schwerverbrechen größten Ausmaßes, ganz zu schweigen vom Ökozid an der Erde.

 

Angesichts der drohenden Katastrophe und angesichts der Blockadehaltung der Großkonzerne muss über ihre Verstaatlichung zum Schutz der Allgemeinheit laut nachgedacht werden. Mit ihren großkriminellen Machenschaften haben sie hinreichend deutlich gemacht, dass sie bereit sind, für Profit über Leichen zu gehen.

 

Man sollte nicht mehr mit ihnen verhandeln, sondern über sie.

 

Es braucht einen neuen Aufbruch der Umweltbewegung und eine breite gesellschaftliche Mobilisierung, -eine Große Koalition der Vernunft um das allerschlimmste doch noch zu verhindern.

„Rettet das Leben!" könnte zum Weckruf und zum gesellschaftlichen Fanal werden.

 

 

Individuelles Wohlverhalten allein reicht längst nicht mehr aus,- die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen sofort national und global grundlegend verändert werden.

 

Angesichts der Machtverhältnissen in den westlichen Ländern, -der fossile- globalistische Machtkomplex hat in den letzten Jahrzehnten in allen westlichen Ländern seine Macht enorm ausgebaut und alle Gesellschafts-bereiche durchdrungen-, kann nur eine Strategie des Radikalen Reformismus die Kräfteverhältnisse verschieben. Das Vernünftige muss immer wieder gesagt werden.

Die Machtfrage.

Es wird wieder Zeit Geschichte zu schreiben, sonst wird „Das Ende der Geschichte" (Fukuyama) letztlich das Ende der Menschheit bedeuten.

 

Wenn die Partei „Die LINKE" und auch „Die GRÜNEN" weiter „zum Jagen getragen werden" müssen und der

 

Klimafrage mit all ihren Konsequenzen weiterhin keine Priorität einräumen wollen, dann muss etwas Neues her. Wenn in den etablierten Parteien die Überlebensnotwendigkeiten nicht handlungsleitend werden, ja es nicht einmal schaffen, bei einem Parteitag diskutiert zu werden, dann muss etwas Neues her. Die „Alternative für das Leben" (AfL) sollte dann zuerst und gleichzeitig auch eine Alternative für Linke (AfL) sein und für die ökologischen und alternativen Linken dieses Landes eine neue organisatorische Heimat bieten, in der mit der nötigen Entschlossenheit am Notwendigen gearbeitet werden kann. Eine „Große Koalition der Vernunft" wird es nur dann geben, wenn sich die Vernunft auch mit lauter Stimme Gehör verschaffen kann, also überhaupt erst mal „wahr" genommen wird. Die stärksten Argumente gegen das vermeintlich alternativlose, „realpolitische„ weiter so und seine unverantwortliche Problemvertagung, sind die Wahrheit und die Aufklärung über all die längst möglichen Alternativen. Und es gibt sehr viele Menschen in diesem Land, die nach einer glaubhaften sozialen und ökologischen Alternative suchen und sie nicht finden. Es gilt diesen, seit zwanzig Jahren nicht mehr hinreichend besetzten Platz auf der politischen Bühne einzunehmen und den Alternativen wieder eine Heimat zu geben. Die bisher in unwilligen Strukturen verpuffende Energie, kann in einer Alternative für Linke/ für das Leben sinnvoller eingesetzt werden und mithelfen eine wirkliche gesellschaftliche Alternative aufzuzeigen und den Konsens des „weiter so" in Frage zu stellen.

 

Eine glaubhafte ökologische, ökonomische und soziale Alternative ist längst überfällig und eine „Große Koalition der Vernunft" ist vielleicht längst möglich und mehrheitsfähig,. Der Auf- und Umbruch der erstarrten Strukturen ist nötig und möglich und er liegt überall längst in der Luft.

 

„Keine Macht der Welt kann eine Idee aufhalten, deren Zeit gekommen ist", sagte einst Victor Hugo. Die Zeit für eine „Alternative für das Leben" und eine Alternative für Linke (AfL) und dürfte schon lange gekommen sein. Doch es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Jürgen Tallig Juli 2018 tall.j@web.de https://earthattack-talligsklimablog.jimdofree.com

 

 

Literatur:

 

U.Brand/M.Wissen, Imperiale Lebensweise, 2017

 

F.Ekardt, Paris- Abkommen, Menschenrechte und Klimaklagen, 2018

 

David Wallace-Wells, „Der Planet schlägt zurück" (dt. im „Freitag",20.07.2017)

 

S. Rahmstorf, Können wir die globale Erwärmung rechtzeitig stoppen?, KlimaLounge,11.04.2017

 

Maria A. Martin, Das riskante Spiel mit dem Gleichgewicht, Kippelemente im Klimasystem, 2014

 

WBGU, Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation, Hauptgutachten 2011

 

WBGU, Zivilisatorischer Fortschritt innerhalb planetarischer Leitplanken, 2014

 

WBGU, Klimaschutz als Weltbürgerbewegung, Sondergutachten 2014

 

WBGU, Entwicklung und Gerechtigkeit durch Transformation, Sondergutachten 2016

 

Naomi Klein, „Kapitalismus vs. Klima", 2015

 

Fred Luks, Die Zukunft des Wachstums, 2001

 

Rockström J., „The 10 Science must knows on Climate Change", 2017

 

J. Tallig, „Rasante Zerstörung des Blauen Planeten" Umwelt aktuell 12.2016/01.2017

 

„Die tödliche Falle" in Umwelt Aktuell 11/2017

 

Umweltbundesamt, Nachhaltiges Deutschland, 1997

 

Vandana Shiva, „Erd-Demokratie", 2005

 

„Zukunftsfähiges Deutschland", Studien des Wuppertal Instituts 1997 und 2008