Textbausteine aus Briefen von Jürgen Tallig (2018)

 

 

 

 

Mir geht es dabei keinesfalls um eine ideale, sondern um eine dauerhaft mögliche Welt…

 

Mit unserem derzeitigen, völlig unrealistischen Wachstumskurs fahren wir ja gerade das Klima- und Erdsystem gegen die Wand, wie Du heute auch wieder in der Zeitung lesen kannst…Neuer Sonderbericht des Weltklimarates, der gerade in Seoul tagt…

 

Die saugen sich das ja nicht aus den Fingern…

 

Angesichts von Extremdürre, weltweiten Hitzewellen und besorgniserregenden neuen Klimastudien ist Euer letztes Heft nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

 

Das Thema ist mit dem Beitrag zu extremem Wetter in Deutschland extrem unterbelichtet.

 

Und die Aussagen zu einem CO2- neutralen Berlin kommen ja völlig aus Wolkenkuckucksheim… So ein Schwachsinn,- angesichts des alltäglichen Stau- Wahnsinns! Eine Millionenstadt wie Berlin, kann nur existieren, weil sie massenhaft Syntropie importiert und Entropie exportiert…und kann niemals CO2- neutral sein.

 

Precht ist mir auch sehr symphatisch!

 

Ja, er hat Recht, -Technokraten, die das eigene und das Leben anderer verwalten, ohne noch funktionierendes ethisches, moralisches, gefühlsmäßiges Korrektiv.

 

Ich nenne es Entfremdung. Wir sind in einer übermächtigen, zunehmend technofaschistischer werdenden Megamaschine gefangen, deren einziges Ziel in der erweiterten Reproduktion ihrer selbst besteht. Wie und ob wir uns aus diesem "Räderwerk" befreien können und die Maschine zum Stillstand bringen, das entscheidet über den Fortbestand des Lebens auf der Erde.

 

Wir begehen gerade das größte Verbrechen der Geschichte. Das wollen wir doch mal festhalten. Und wir begehen es aus Egoismus und Bequemlichkeit.

 

Wir wissen nicht, ob wir nichts mehr retten können, wir wissen nur, dass wir, wenn wir noch eine Weile so weitermachen,

 

ganz bestimmt nichts mehr retten können.

 

Hitler war offenbar tatsächlich nur ein Vorspiel, angesichts der heutigen Menschen- und Lebensverachtung.

 

Wir erleben Verblendung und Naturentfremdung und die diffizile, skrupellose Herrschaft der Unvernunft, die es darauf ankommen lassen will,- und während der Extremdürre, Wald für Kohle rodet und Raketen durch die Gegend schießt und Moore in Brand setzt. Die verblendete Arroganz der Macht nimmt den Tod in Kauf.

Die gesellschaftliche Situation: zwischen völliger nationalbornierter- technofaschistischer Verdunkelung und dem nötigen Aufbruch zur Stilllegung der Megamaschine und zur Versöhnung mit der Natur, also der Öffnung, des Durchbrechens des geistigen und strukturellen Sarkophags!

 

Leider ist es ja so, dass der "fehlmutierte weiße Raubaffe" nicht sich zuerst ausrottet, sondern das gesunde Leben. Die weiße Zivilisation ist gewissermaßen eine Art Krebserkrankung an der Erde und am Leben.

 

Sie würden doch sicher bei einer Krebserkrankung auch alles unternehmen (Operation, Chemo, Bestrahlung, Ernährungsumstellung usw.), um den Krebs loszuwerden. An Krebs zu sterben ist sicher für das Individuum, wie für den Planeten, die denkbar schlechteste Lösung und darum geht es leider, -siehe auch die neue Klimastudie. Der Planet würde unbelebt und lebensfeindlich werden.Dies als Lösung auch nur zu denken, zeugt von fatalistischer Bequemlichkeit, die sich eigenes, eingreifendes und veränderndes Handeln, auch angesichts des drohenden Todes nicht vorstellen kann.

 

Es steht zu befürchten, dass diese Gleichgültigkeit, dieser Nihilismus, inzwischen sehr weit verbreitet ist und den gefräßigen, fehlmutierten weißen Krebszellen, das Leben kampflos überlassen wird.

 

Das Nekrozän hat längst begonnen.

 

Ich füge Ihnen oben mal einen etwas "satirischen" Text zum Thema an, der natürlich auch eines gewissen Fatalismus nicht entbehrt, aber ein Grundvertrauen in die Kraft des Lebens bezeugt.

 

 

Man muss ja die real existierenden Machtverhältnisse beachten und die Notwendigkeit schnellen, globalen Handelns, angesichts der drohenden Klimakatastrophe. Insofern ist ein großer Wirtschafts- und Währungsraum notwendig, möglicherweise eine Eurasische Union, die diesen Weg beschreitet.

 

Dann wäre auch eine vorläufige Nichtbeteiligung der USA verkraftbar, allerdings wäre der Dollar damit endgültig als Weltleitwährung in Frage gestellt.

 

Und natürlich müsste, im eigenen Interesse der notwendigen Begrenzung der Erderwärmung, ein Unwirksam machen der Preissteigerungen durch übermäßige Inflation, durch ein geeignetes Kontrollgremium, z.B. einen Weltklimarat mit realen Machtbefugnissen, verhindert werden.

 

Natürlich wäre auch ein grundlegender Umbau des Finanzsystems notwendig, um die Macht des spekulativen Kapitals einzuschränken...

 

Das ginge von Finanztransaktionssteuer bis hin zu "Schwundgeld" und ist ein sehr weites Feld.

 

Ich habe übrigens heute früh noch herzlich gelacht:

 

Angela Merkel hat zum Anschlussjubiläum oder zum Tag der deutschen Einheit so richtig einen gucken lassen,- das lief im O- Ton auf allen Radiosendern-, also sie sagte: "Es braucht noch eine Menge Arbeit, ehe die deutsche Einheit beendet ist."

 

Ist das nicht genial. Das ist doch beinahe schon alles so absurd, wie in der DDR.

 

Die merken scheinbar auch nichts mehr.

 

Also, man könnte sich köstlich amüsieren, wenn dieses "nichts merken", nicht so verheerende Folgen hätte. Aber Lachen tut mir gut, habe ich jetzt gemerkt. Vielleicht sollte ich nur noch Satiren schreiben?

 

Ja, mit dem Prophetischen ist das so eine Sache. Was will man machen, wenn man die Dinge schon seit über 30 Jahren klar sieht, es die anderen aber nicht wissen wollen…

 

Ein kluger Mann hat mal geschrieben:

 

"Das Schlimme an der Suche nach der Wahrheit ist, dass man sie findet. Danach ist man von seinen Mitmenschen getrennt und kann nicht mehr beliebig ihren Vorurteilen und "Meinungen" folgen.

 

Oder: "Wer seiner Zeit voraus ist, ist in seiner Zeit tot."

 

Jetzt holt mich aber die Zeit langsam ein.

 

 

Übrigens hat das Theatralisch/ Pathetische seine Berechtigung und seine Funktion, weil es, wenn es gut und wahr ist, eine sonst vom Verstand kontrollierte und unterbrochene Verbindung zu tieferen Empfindungsebenen wieder herstellt.

 

Es hat mich gefreut, dass wir uns nach all den Jahren, immer noch nah stehen, das heißt, uns nicht allzu sehr von unseren früheren Positionen entfernt haben.

 

Natürlich können Sie diesen, aber auch die anderen Artikel gerne weiterleiten.

 

Dazu sind sie ja geschrieben, dass sie möglichst viele Menschen erreichen und

 

das geistige Klima im Lande mit verändern helfen, damit wir noch rechtzeitig aus unserem

 

verblendeten Entfremdungszustand herausfinden und eine Versöhnung mit unserer inneren und der äußeren Natur bewerkstelligen.

 

Sie haben Recht. Natürlich ist "Earth Attack" leider keine Satire, sondern eine Kurzgeschichte des "Fortschritts" aus kosmischer Perspektive.

 

Die satirische Überspitzung wird von der absurden Realität ständig übertroffen und eingeholt,

 

macht aber vielleicht doch manches lakonisch kenntlicher…?

 

Ihr Bild mit den unterschiedlichen Zeitskalen finde ich sehr zutreffend und erhellend.

 

Das betone ich ja auch immer wieder, dass wir einer Wahrnehmungsstörung unterliegen

 

und eigentlich einen "Blitzkrieg gegen den Planeten" führen…

 

Die Menschheit müsste sich zu kosmischem Bewusstsein aufschwingen, was Eintagsfliegen naturgemäß schwer fällt…

 

Das haben Sie sehr schön formuliert.

 

Man kann und muss natürlich darauf hoffen, dass die Erderwärmung und die Klimakatastrophe die fossile Zivilisation schnell zum Kollabieren bringt und die Kräfte der Natur dann noch stark genug sind, um den freiwerdenden Lebensraum schnell zurückzuerobern und die CO2- Bindung und Sauerstoffproduktion sich schnell wieder erhöht. Vielleicht gibt es in den wärmer werdenden Ozeanen auch eine Massenvermehrung von CO2- bindendem Plankton oder entsprechenden Algen, die den Kohlenstoff mit in die Tiefsee nehmen.

 

Die Natur ist stark und das Leben ist einfallsreich,- darauf können wir immerhin hoffen…

 

 

Das schreibe ich ja auch in meinem Artikel, im Abschnitt "Menetekel allerorten, doch es herrscht Ruhe im Land". der Mensch ist offensichtlich nur über sinnliche, schmerzhafte Erfahrungen lernfähig… Doch, wenn es richtig weh tut, dann dürfte es zu spät sein…

 

Ob wir die Fähigkeit und die Phantasie für vorausschauendes Handeln noch rechtzeitig entwickeln, dürfte die entscheidende Frage sein…

Man sollte keinen Beifall für schlechte Nachrichten erwarten und die Nachricht, dass es keinesfalls so weitergehen kann wie bisher, ist psychologisch eine sehr schlechte Nachricht. Wie man die Trägheit der Herzen und Strukturen noch rechtzeitig überwinden kann, ist inzwischen eine Überlebensfrage...

 

Unsere Aufgabe ist es, eine geistig- kulturelle Hegemonie der Überlebensinteressen herbeizuführen und in einer Art zweiten Aufklärung, Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern den Ernst der Lage zu vermitteln, der ja überhaupt noch nicht begriffen ist. Die Botschaft von der Gefahr einer unkontrollierbaren, sich selbst verstärkenden Erderwärmung (siehe die neue Klimastudie) ist weder im links- alternativen Spektrum, geschweige denn in der Mitte der Gesellschaft angekommen...

 

 

Noch ein paar Nachträge:

 

"Was ich meinte, ist, dass unsere weiße Zivilisation zuerst andere Kulturen und die Biosphäre zunehmend zerstört, um dann natürlich auch untergehen zu müssen. Der Krebs stirbt mit dem Wirt. Dass sich das System Erde wieder stabilisiert, ist zu hoffen, aber keineswegs sicher, wenn sich die Erderwärmung bald verselbständigt und selbst verstärkt. Deshalb muss alles getan werden, um diesen Point of no return noch zu vermeiden, also die Erderwärmung noch zu begrenzen, bevor sie nach dem Überschreiten diverser Kipppunkte, völlig aus dem Ruder läuft. Diese Möglichkeit besteht immerhin noch.

 

Ein "weiter so" mit ungebremst hohen Emissionen, wäre ein Todesurteil für alle kommenden Generationen. Das Recht dazu haben wir nicht. Wir sind die letzte Generation, die die Erderwärmung noch begrenzen kann, wie Obama sagte. Diese Möglichkeit leichtfertig zu vertun, wäre ein Verbrechen. Wir können aufklären, Auswege zeigen, den Transformationsdruck überall erhöhen, den fossilen Machtkomplex auch juristisch unter Druck setzen usw. usf."

 

 

Ihre historische Analogie hinkt übrigens gewaltig.

 

Leider ist es so, dass man dem tödlichen Schicksal einer letztlich unbegrenzten Aufheizung der Erde nur entkommen kann, indem man sie verhindert oder indem man auf einen anderen, noch lebensfreundlichen Planeten ausfliegt. Ersteres scheint mir die realistischere Option, zumal die zweite eh nur für wenige Menschen in Frage käme, so man denn überhaupt einen solchen Planeten irgendwann findet und auch die Fähigkeiten entwickelt, ihn zu erreichen. Es gibt keine individuelle Lösung des Problems. Vor 25 Jahren habe ich auch noch gedacht, naja, dann gehe ich aufs Land und mache Selbstversorgung… Aber wir können schlussendlich einer entfesselten Klimakatastrophe nirgendwohin entkommen… Spätestens unsere Kinder werden von ihr eingeholt.

 

Sie sehen, die Option, "Alle oder Keiner" hat auch die Vernunft auf ihrer Seite und ganz abgesehen davon, hätte die Vernunft einer Linken Einheit 1932/33 auch Hitler noch verhindern können…Wer hat uns verraten? (Na, Sie wissen schon…) versus Sozialfaschismus- Vorwürfe. Am Schluss gewinnt die Dummheit und die Barbarei.

 

Genauso ist es letztlich auch heute!

 

Im Übrigen ist die Ursache der Klimakatastrophe nicht die wachsende Zahl der Menschen, sondern die wachsende Zahl der Menschen, die eine nicht erdsystemkompatible, westliche Lebensweise praktizieren.,- also der globale Norden, die ca. 1 Milliarde Menschen die ein Auto fahren. Wenn es die nicht gäbe, gäbe es kein Klimaproblem. Siehe auch meine letzte Mail. Bitte etwas gründlicher lesen! Die Zahl der Autos wächst weit schneller, als die der Menschen. So hat sich seit RIO 92, die Zahl der Autos, auf eine Milliarde Fahrzeuge verdoppelt und auch deutsche Autokonzerne tun alles, damit sich diese Zahl in den nächsten Jahren noch einmal verdoppelt, auf dann also zwei Milliarden Fahrzeuge. Das ist das Problem. Ein Deutscher verbraucht und emittiert übrigens mehr als das zehnfache dessen, was ihm zustünde. Ein Afrikaner nimmt nur ein Drittel seines Anspruchs wahr. Das Verhältnis ist also 30 : 1. Die 80 Millionen Deutschen belasten also Umwelt und Klima so, wie 2.4 Milliarden Afrikaner,- Afrika hat aber nur etwa 1.1 Milliarden Einwohner. Soviel zum Thema Bevölkerungszahl.

 

Wir leben seit Anfang der 80er von der Substanz des Planeten, überschreiten also seine Regenarations- und Aufnahmefähigkeit(vielleicht auch schon länger?) und in den Fünfzigern waren die Emissionen schon höher als beim PETM. Möglicherweise wäre ein Level, wie in den 20er Jahren länger, wenn auch nicht dauerhaft möglich…?

Noch ist Bewegung möglich, noch ist die Geschichte offen, -was in 10 Jahren schon anders sein dürfte. Da stimmt die Analogie mit 32 wieder. Die Frage ist jetzt nur,- haben wir jetzt 22, 29 oder 32 oder schon 44? Was den Krieg gegen die Natur betrifft, sind wir ganz sicher schon in der Endphase der Operation "Verbrannte Erde". Die Frage, ob es jetzt Zeit ist, mit Handeln anzufangen oder aufzuhören, stellt sich nach all dem Gesagten eigentlich nicht mehr wirklich, würde ich meinen. Allerdings muss es Handeln im Großen Stil sein. Aber wenn sich die ganze Welt binnen weniger Jahr auf Kriegsproduktion umstellen kann, dann sollte sie sich auch binnen weniger Jahre auf ökologische Produktion umstellen können (siehe Al Gore, Der ökologische Marshallplan) und wenn die Menschheit binnen weniger Jahrzehnte zu größten geologischen Kraft werden konnte, dann sollte sie auch fähig sein, sich wieder innerhalb der ökosystemischen Grenzen einzurichten, was ja nur im Bezug darauf ein "Zurück" wäre. Dazu bedarf es allerdings der Herrschaft der Vernunft und der Entmachtung der Wahnsinnigen, die derzeit die Welt, sehenden Auges über die Klippe fahren lassen…

 

Eine weiter anregende Lektüre wünscht Jürgen Tallig